Urlaub: Mit dem Auto nach Russland

26.06.17

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Die Grenze Estland – Russland ist an der EU-Seite gesichert wie eine Hochsicherheitsfestung

Dieses Jahr sind wir über die Baltischen Staaten zum Nordkapp gefahren und haben sowohl die russische Enklave Kaliningrad, das ehemalige Königsberg, als auch St. Petersburg besucht. Falls jemand ähnliches vorhat, möchte ich meine Erlebnisse und Tipps für die Fahrt mit dem eigenen Auto nach Russland weitergeben.

Für Russland braucht man als Bundesdeutscher ein Visum. Wie man das bekommt, habe ich in einem anderen Beitrag beschrieben. Auch wenn uns an keiner Grenze jemand nach unserer Grünen Versicherungskarte gefragt hat: Man braucht sie. Und zwar muss man darauf achten, dass das Land Russland (RUS) nicht durchkreuzt ist. Denn dann ist ein Versicherungsschutz in Russland ausgeschlossen, und das kann teuer werden.

Wenn bei der eigenen Versicherung Russland ausgeschlossen ist, sollte man rechtzeitig (spätestens zum 30.11. eines jeden Jahres) die Versicherung wechseln und sich bestätigen lassen, dass bei der neuen Versicherung auf der Grünen Versicherungskarte Russland eingeschlossen ist.

Es besteht an einigen Grenzübergängen (zum Beispiel wenn man von Finnland aus einreist) zwar die Möglichkeit, für 25 Euro eine Versicherung für Russland abzuschließen die zwei Wochen lang gilt, derartige Agenturen gibt es aber nicht an jeder Grenze. Von Polen nach Kaliningrad haben wir zum Beispiel keine gesehen, auch nicht von Narwa nach St. Petersburg.

Man benötigt einen internationalen Führerschein, den man in Deutschland problemlos bei der Führerscheinstelle erwerben kann. Wir wurden außer an der Grenze kein einziges Mal kontrolliert, daher kann ich nicht bestätigen ob der internationale Führerschein verlangt wird. Da russische Beamten aber selten Deutsch oder Englisch sprechen, ist es auf jeden Fall besser, einen internationalen Führerschein dabei zu haben. Achtung! Der internationale Führerschein gilt nur in Verbindung mit dem originalen nationalen Führerschein. Man braucht also beide Dokumente. Den Fahrzeugschein muss man ebenfalls mitführen, aber den sollte man ja grundsätzlich mit sich führen.

(Leider unscharf) Die Tafel, in der Wartezone, an der die Autonummer erscheint

Pflicht ist außerdem ein ovales D-Schild, was man am hinteren Bereich des Autos anbringen muss. Das „D“ auf dem EU-Nummernschild reicht nicht aus. Es ist verboten, Benzin in Reservekanistern nach Russland einzuführen. Wir haben unseren Ersatzkanister vorher geleert, wir wurden allerdings nicht explizit gefragt ob der Kanister wirklich leer ist.

Wer ein Navigationsgerät von Garmin hat, hat in Russland ein Problem: Garmin bietet keine Karten für Russland (mehr) an. Wie mir ein Garmin-Mitarbeiter am Telefon sagte, habe das politische Gründe. Dann muss man entweder mit dem Handy routen oder so richtig Oldschool mit einer analogen Karte. Routet man mit dem Handy, empfiehlt es sich, sich eine russische Prepaidkarte zu besorgen. Die kostet ein paar Rubel und man muss nur seinen Pass vorlegen. Es ist auf jeden Fall günstiger als mit dem teuren Auslandstarif des eigenen Telefonanbieters.

Die Wartezeiten an den Grenzen variieren. Von Polen nach Kaliningrad hat die Prozedur etwa eine halbe Stunde gedauert, es war aber außer uns kaum ein Auto da. Sowohl Polen (hier Ausreise) als auch Russland (hier Einreise) haben eigene Grenzstationen. Das Auto wurde oberflächlich durchsucht, ich musste die Türen und den Kofferraum öffnen und der Zollbeamte hat mit einem Spiegel und einer Lampe unter das Auto geleuchtet. Dort, wo das Reserverad ist – bei uns ist dort der Tank für Autogas – hat der Zöllner auch einen kurzen Blick hineingeworfen.

Bei der Pass- und Visakontrolle musste man sich gerade hinstellen und auf ein verdunkeltes Fenster schauen, ich denke die haben einfach die biometrischen Daten von mir mit denen im Pass bzw. im Visum verglichen. Es wurde eine sogenannte Migrationskarte ausgefüllt, die man bei der Ausreise wieder abgeben musste. Dann muss man eine Bestätigung für das Auto zweimal ausfüllen. Ein Exemplar verbleibt an der Grenze, das andere bekommt man mit. An der Grenze nach Kaliningrad gab es ein Muster in deutscher und englischer Sprache, von Estland nach Russland gab es das nicht. Diese Bestätigung darf unter keinen Umständen verloren werden, sie wird bei der Ausreise kontrolliert bzw. einbehalten. Denn sonst muss man Einfuhr- und Zollgebühren für das Auto bezahlen und hat einen ziemlichen Zeitverlust und viel Ärger. Also gut aufheben!

Es gibt einige Fahrer, die die Verkehrszeichen relativ individuell auslegen, im Großen und Ganzen ist der Verkehr allerdings ähnlich wie bei uns. Autobahnen in Russland sind Mautpflichtig, das System funktioniert ähnlich wie in Italien, in bestimmten Abständen gibt es Mautstellen, wo man die Maut entrichten muss. In Kaliningrad gibt es zwar keine Autobahnen, aber wir sind über die Kurische Nehrung gefahren und mussten sowohl auf der russischen Seite als auch auf der Litauischen Seite Maut bezahlen. Es empfiehlt sich also immer, ein paar Rubel dabei zu haben um für Mautgebühren gerüstet zu sein.

Die Ausreise nach Litauen dauerte mehrere Stunden. Allerdings nicht weil die Russen so genau kontrolliert hätten, sondern die Litauer. Das Hauptproblem dort scheint zu sein, dass Benzin (der Liter Super 95 kostet in Russland etwa 60 Cent, Autogas etwa 30 Cent), Zigaretten, Alkohol und andere Dinge in Russland sehr viel billiger sind und jeder, der von Russland nach Litauen fährt, in den Augen des dortigen Zolls ein potentieller Schmuggler ist. Ich musste genau angeben, wie viel Autogas und Benzin ich im Tank habe, wie viel und was ich in Russland gekauft habe.

An der EU-Außengrenze zwischen Estland und Russland

Wenn man von Tallinn nach St. Petersburg fährt, muss man über die Grenze in Narwa. Diese Grenze hat es in sich. Man muss online einen Slot von einer Stunde reservieren, an dem man die Grenze passieren wird. Das kostet ein paar Euro und kann bis zu 30 Tage im Voraus passieren. Man kann aber nur einen Slot reservieren und meist weiß man nicht so genau, wann man an der Grenze ist. Insofern reserviert man den Slot meist auf der Fahrt kurz vor Narwa. Dann ist es aber häufig der Fall, dass es keine freien Slots mehr gibt. In diesem Fall kann man nur warten oder mit Glück einen Slot Nachts um 2:00 Uhr oder einer ähnlichen Uhrzeit erwischen. Wir hatten das Glück, am nächsten Tag einen Slot um 9:00 Uhr morgens gerade noch zu bekommen, also haben wir in Narwa übernachtet. Zu Hauptreisezeiten kann die Wartezeit aber durchaus länger dauern.

Zum Beginn des Zeitslots muss man in die sogenannte „Waiting Area“, die Wartezone, fahren. Dort muss man Visum für Russland und Pass sowie Fahrzeugschein vorzeigen. Es wird überprüft, ob man online für die entsprechende Stunde gebucht hat. Die Daten werden in einen Computer eingegeben und nun muss man warten, bis die Autonummer an einer Tafel erscheint. Leuchtet die eigene Autonummer auf, geht man wieder zu dem Häuschen und bekommt einen Ausdruck einer Bestätigung, die man an der eigentlichen Grenze vorzeigen muss. Dann verlässt man die Wartezone und fährt zur Grenze. Dort muss man an einer gekennzeichneten Stelle warten, bis per Leuchtschrift die Aufforderung erscheint, dass man in den Grenzbereich einfahren darf. Das dauerte bei uns nicht einmal eine Minute. Das massive Stahltor öffnet sich, man fährt in den Grenzbereich und das Tor geht hinter einem wieder zu.

Die Eintrittskarte in den Grenzbereich

Ähnlich wie in Polen verlief die Ausreiseprozedur relativ problemlos. Der Zöllner prüfte Pässe, Fahrzeugpapiere und das Fahrzeug und dann durften wir über die Brücke in den russischen Teil Narwas fahren. Dort wurde wieder eine Migrationskarte ausgefüllt sowie von uns zwei Mal die Einfuhrbestätigung des Autos. Die Kontrollen waren ähnlich gründlich wie an der Grenze zu Kaliningrad, die Zöllner und Polizisten aber hier wie dort höflich und freundlich.

Wir mögen es, mit dem Auto in den Urlaub zu fahren. Man ist unabhängig und bekommt mehr von Land und Leuten mit. Im Internet grassieren teilweise Horrormeldungen von Banditen, die sich als Polizei verkleiden würden um Touristen abzuzocken – wir haben nichts dergleichen erlebt. Auch dass in Russland gefahren wird wie auf dem Nürburgring kann ich nicht bestätigen, von Ausnahmen abgesehen. Die Beschaffenheit der Straßen kann man nicht verallgemeinern. Die meisten Durchgangsstraßen waren in einem besseren Zustand als bei uns, bei manchen Straßen dachte man allerdings, man sei in Nordrhein-Westfalen, so ähnlich schlecht waren sie. Trotz der Wartezeiten an den Grenzen war das Projekt „Mit dem Auto nach Russland“ ein voller Erfolg, den wir irgend wann wiederholen werden.

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Über Aranita

Humanist. Geocacher. Gamer. Freifunk. Werte: Freiheit, Gerechtigkeit. Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben.

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