Das war 2016 – Nicht nur ein Rant

1.01.17

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Das war das Jahr 2016

Das war das Jahr 2016

Wieder ist ein Jahr zu Ende und wieder ist es Zeit, auf dieses Jahr zurück zu blicken. All zu viel hat sich nicht geändert gegenüber dem Jahre 2015, allerdings ist einiges noch extremer geworden in diesem Jahr 2016. Ich möchte einmal aus meiner subjektiven Sicht dieses Jahr Revue passieren lassen.

Die Spaltung der Gesellschaft wurde massiv vorangetrieben. Der Hass auf politisch Andersdenkende ist mittlerweile vergleichbar mit totalitären Staaten. Grüne und sich selbst so bezeichnende „Linke“ veröffentlichten Namen und Adressen von Menschen, verbunden mit dem Aufruf, dort nicht einzukaufen. Das „Verbrechen“ dieser Menschen ist, dass sie Mitglied einer in Deutschland legalen politischen Partei sind. Das reicht mittlerweile wieder, um diese Menschen versuchen finanziell zu zerstören. Gerald Hensel, Mitarbeiter einer Werbeagentur, rief die Aktion „Kein Geld für Rechts“ ins Leben und versuchte so, Andersdenkenden, die zum Teil weit entfernt davon sind, „Rechts“ zu sein, die finanzielle Grundlage zu entziehen. Mein Großvater hat mir übrigens erzählt, dass es im Nationalsozialismus genau so angefangen hatte, nur ohne Internet.

Unsere Demokratie wurde noch mehr zur Farce als das bisher schon der Fall war. Eine Opposition gibt es, zumindest im Bundestag, nicht. Aber auch außerhalb, etwa in den Bereichen der Medien, findet man so gut wie keine Kritik an der Entdemokratisierung, die die Große Koalition vorantreibt. Im Gegenteil. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ unterstützt eine der übelsten Hetzorganisationen der Gegenwart, die Amadeu Antonio Stiftung mit ihrer Unterorganisation „Netz gegen Nazis“, an deren Spitze mit Anetta Kahane ein Mensch steht, der jahrelang als IM, also informeller Mitarbeiter der DDR andere Menschen ausspioniert und denunziert hat. Wie viele Menschen von diesen Organisationen als „Nazis“ beschimpft wurden, lässt sich kaum mehr zählen.

Während man sich zu Zeiten von Helmut Kohl noch auf die Kulturschaffenden und Künstler als Mahner verlassen konnte, so herrscht heute auch von dieser Seite meist Stillschweigen. Ja, man polemisiert gegen die sogenannten „Rechten“ und übersieht dabei völlig, dass es nicht um „Rechts“ oder „Links“ gehen sollte, sondern um Meinungsfreiheit, Selbstbestimmung und Teilhabe. Dass eine Demokratie nur dann gut ist, wenn es eine funktionierende Opposition gibt. Wenn man die Finger in die Wunden der Herrschenden legt und nicht nur das schlecht findet, was tatsächlich oder behauptet von „Rechts“ kommt.

Ich wünschte mir von einem Konstantin Wecker, dass er sich genau so über die Einschränkungen der Freiheiten der Menschen von der Großen Koalition empört, wie er das bei irgendwelchen Aktionen von Rechten tut. Ich wünschte mir von einem Christian Ehring, dessen „Extra 3“ ich eigentlich sehr schätze, dass er nicht nur den Unsinn der Genderlobby nachplappert, sondern auch mal die Größe zeigen kann, den Irrsinn, der mit diskriminierender Gendersprache angerichtet wird, zu thematisieren. Oder die Ungerechtigkeit Vätern gegenüber, denn noch immer weerden Frauen massiv in Sorgerechtsprozessen bevorzugt. Ich wünschte mir von der Piratenpartei, dass sie sich endlich mal wieder ihrer Grundwerte besinnen würde, nämlich der Idee von einer selbstbestimmtem Existenz und Teilhabe aller Menschen anstatt sich aufzureiben in ihrem Hass gegen tatsächliche oder vermeintliche Kritiker. Wer die AfD so oft erwähnt, dass sie ständig bei Twitter trendet, während der eigene Name kaum mehr zu lesen ist, der braucht sich nicht zu wundern wenn es bei Wahlen nicht mehr klappt.

Der einzige Kulturschaffende, den ich ausdrücklich ausnehmen will, weil er nach allen Seiten austeilt und auch die Herrschenden und die Speichellecker um Merkel nicht schont, ist Urban Priol. Danke dafür und möge es mehr Künstler geben wie er einer ist. Und das sage ich in dem Wissen, dass auch er das sachlich falsche Deppenwort „Geflüchtete“ für das korrekte Wort „Flüchtlinge“ benutzt.

Die einstmals als „Vierte Gewalt“ bezeichneten Medien sind fast allesamt zu Speichelleckern der Politik geworden. Kritik? Fehlanzeige. Die gibt es fast nur noch in privaten Blogs oder entsprechenden Newsdiensten – wobei man zugeben muss, dass es in der Tat auch einiges an Unsinn gibt. Das allerdings freut die Totalitaristen, denn nun haben sie ein schönes Pseudoargument für eine immer stärkere Einschränkung der Meinungsfreiheit. Eine Art Wahrheitsministerium soll, wenn es nach den totalitären Träumen des Justizministers Maas geht, sogenannte „Fakenews“ enttarnen und sanktionieren. Auch einen Namen soll es schon geben: „Abwehrzentrum gegen Desinformation“.

Ich bin, als es die DDR noch gab, häufig beruflich nach Hamburg gefahren und auf dem Weg durch Gebiete gekommen, in denen man den DDR-Rundfunk empfangen konnte. Heute würde man keinen Unterschied mehr erkennen zwischen dem damaligen DDR-Rundfunk und den öffentlich-rechtlichen Medien der Bundesrepublik. Fast alles besteht aus Lobhudelei der Regierenden. Lediglich gegen die einzige Pseudo-Opposition im Bundestag, die CSU, wird ab und zu noch agiert. Wobei das nicht sonderlich schwer ist, die CSU steht nach wie vor für eine Politik, die nicht die meine ist. Wer sich für sachliche Berichterstattung interessiert, ist mittlerweile gezwungen, ausländische Medien zu sehen bzw. zu hören. Schweizer Medien sind das heutige Westfernsehen geworden.

Die Filterblasen der Regierenden mit denen der meisten Kulturschaffenden und Medien sorgt dafür, dass man den Draht zum richtigen Leben völlig verloren hat. Kaum jemand glaubte, dass der Brexit Wirklichkeit wurde. Kaum jemand glaubte, dass Trump die US-Wahlen gewinnen würde. Diese Fehleinschätzungen wären nicht passiert, wenn man sich nicht in seine Wohlfühlfilterblase zurückziehen würde und ja keine Andersdenkenden an sich heran lässt. Doch irgendwann kommt das Erwachen. Um dieses Erwachen möglichst lange hinaus zu zögern, erfindet man neue Feindbilder, um die Menschen von tatsächlichen Problemen abzulenken. Den „alten weißen Mann“ zum Beispiel, der mittlerweile für alles, was nicht im Sinne der politisch korrekten Meinungsmacher ist, als Täter herhalten muss. Oder die „Nazi“-Beschimpfung, die immer häufiger einfach für Andersdenkende benutzt wird. Dass man damit die Opfer der echten Nazis übelst diskriminiert, wen interessierts. Man braucht Feindbilder, um davon abzulenken, was für Verbrechen an der Menschlichkeit man selbst verübt.

Dabei spielt es für mich keine Rolle, dass die politisch andere Seite genau so ihre Feindbilder aufbaut, denn das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Wenn 12 Menschen in Berlin durch einen irren Islamisten sterben und viele andere verletzt werden, empfinde ich es als hochgradig widerlich, wenn man sagt, der NSU hätte ja auch Menschen umgebracht. Beides ist ohne Schnörkel und ohne Wenn und Aber zu verurteilen.

Die Erziehung zum Schwarz-Weiß-Denken wurde 2016 weiter voran getrieben. Wenn jemand etwas differenziert sieht, wird er mit einem höhnischen „Wieder so ein Ja, aber-Sager“ sofort in die Nazi-Ecke geschoben. Wenn man über etwas wütend ist (außer man ist wütend gegen sogenannte „Rechte“, denn das darf man), erzählt einem Renate Künast von den Grünen, Hass sei keine Meinung. Natürlich ist Hass eine Meinung, eine sehr deutliche sogar!

Im Jahre 2016 wurde auch gestorben. Für viele Menschen gefühlt mehr als sonst, auch wenn das faktisch nicht den Tatsachen entspricht. Von den vielen in diesem Jahr gestorbenen möchte ich die erwähnen, die für mich Bedeutung hatten oder an die ich mich erinnere.

An erster Stelle der Erinnerungen steht mein Schwiegervater, der relativ plötzlich starb. An dieser Stelle gibt es ein großes Lob an das Krankenhaus des Dritten Ordens in München, wo man sein Leben nicht künstlich verlängerte, sondern ihm einen würdevollen, friedlichen Tod ermöglichte.

Viele Musiker sind 2016 gestorben. Leonard Cohen, dessen Lieder seit Jahrzehnten in meinen Playlists sind (früher nannte man das Kassetten), Rick Parfitt, Gitarrist von Status Quo, die ich in meiner Jugend rauf und runter gehört habe, ebenso wie Emmerson Lake and Palmer, hier starben gleich zwei Bandmitglieder: Keith Emmerson und Greg Lake. Nicht zu vergessen David Bowie, dessen Musik zwar nicht immer die meine war, der aber viele nachfolgende Künstler beeinflusst hat, ebenso wie Prince oder George Michael, mit denen ich allerdings kaum etwas anfangen konnte. Knut Kiesewetter, der links-grüne Liedermacher und Jazzsänger, Peter Behrens von der Neuen Deutschen Welle-Band Trio, aber auch Wolfgang „Wölli“ Rohde, der unter anderem Schlagzeuger der Toten Hosen war. Auch Roger Cicero und Hugo Strasser starben 2016, ebenso wie Glenn Frey von den Eagles, dessen „Hotel California“ bei mir zeitweise in Endlosschleife läuft.

Dann verließen uns Hildegard Hamm-Brücher, die Grand Dame der FDP, wie auch Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher und Guido Westerwelle. Israles ehemaliger Staatspräsident Schimon Peres, der immer Frieden im Nahen Osten wollte, konnte diesen nicht mehr erleben und wer weiß, ob es dort jemals Frieden geben wird, so unversöhnlich wie sich beide Seiten gegenüber stehen. An Oleg Popow, den russischen Clown erinnere ich mich, den ich als Jugendlicher einmal live gesehen habe. Gene Wilder, der Schauspieler mit meist lustigen und trotzdem tiefgründigen Rollen und Alan Rickman, einer der pefektesten Filmbösewichte aller Zeiten. Nicht zu vergessen Manfred Krug,  Götz George, Carrie Fisher und Bud Spencer. Bei seinem Tod zeigten sich sogenannte „Linke“ wieder einmal von ihrer abartigen Seite. Sie empörten sich darüber, dass man um jemand trauern würde, der einer politisch rechten Partei angehört hatte. Dann fallen mir noch Erika Berger, Umberto Ecco, der großartige Roger Willemsen und zum Schluss Margot Honecker und Fidel Castro ein.

Ob das Jahr 2017 besser wird? Ich fürchte nicht. Zu wenig Gegenwehr gibt es bei der Spaltung der Gesellschaft, bei der fortschreitende Entmündigung und den Aufbau eines Nanny-Staates, der allein weiß, was für die Menschen gut zu sein hat. Deshalb schließe ich mit einem Zitat des polnischen Lyrikers Stanislaw Jerzy Lec: „Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen“.

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Über Aranita

Humanist. Geocacher. Gamer. Freifunk. Werte: Freiheit, Gerechtigkeit. Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben.

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