Die Fenster offen, um zu fliegen – Ein Film zum 75. Geburtstag von Konstantin Wecker

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Letzte Änderung des Artikels am 25. Mai 2022 von Aranita

Konstantin Wecker - Bild: Thomas Karsten
Konstantin Wecker – Bild: Thomas Karsten

Am 1. Juni dieses Jahres feiert Konstantin Wecker seinen 75. Geburtstag. Der Bayerische Rundfunk hat zu diesem Anlass eine Dokumentation gedreht, der den Künstler mit vielen seiner scheinbaren oder tatsächlichen Widersprüche zeigt.

Wörtlich schreibt der Bayerische Rundfunk zu dieser Produktion: „Der Film ist vor allem eine Begegnung mit Konstantin Wecker, mit seinem Leben, seinen Lebensorten, seinen Melodien, und seinem Sound (Leben, Literatur und Musik). Ein Treffen privat und als Musiker: Wecker beim Konzert mit der Band, zu Hause, in seiner ehemaligen Schule, an der Isar und an seinem Sehnsuchtsort: Die Toskana, wo er mehrere Jahre gewohnt hat.“

Konstantin Wecker ist für mich so etwas ähnliches wie ein Lebensbegleiter. Seine früheren Werke wie „Liebeslied“, „Der alte Kaiser“, „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“, „Eine ganze Menge Leben“, aber auch die Filmmusik zu „Kir Royal“ und „Schtonk“ sowie viele andere habe ich immer wieder gehört und höre sie auch heute noch. Auch wenn ich seine politische Einstellung durchaus als extrem empfinde – seine Lieder berühren mich immer noch.

Ich hatte mit Wecker einmal einen Email-Kontakt. Es ging damals um seine Meinung zum bayerischen Rauchverbot. Ich hatte das Gefühl, das einzige, was ihn am Thema interessiert hatte, war die Tatsache, dass sich SPD, ÖDP und Grüne mit einem Politiker der DVU an einen Tisch gesetzt hatten um gemeinsam Werbung für das Rauchverbot zu machen. Und das, obwohl Politiker der Grünen kurz zuvor noch meinten, man würde niemals mit Politiker dieser Partei sprechen. Das grundsätzliche Thema, ob der Staat Wirte de facto enteignen kann und ob er ihnen im eigenen Lokal verbieten kann, zu rauchen, interessierte ihn nicht. Nur die Möglichkeit, gegen „Rechts“ zu agieren war ihm wichtig. Zumindest erweckte es bei mir diesen Anschein.

Wenn man Weckers Leben so ansieht, fällt einem immer wieder die Zerrissenheit dieses Künstlers auf. Viele seiner wunderbaren Texte und Lieder schrieb er zugedröhnt mit Kokain. Einerseits ist er ein Moralist, andererseits schien das nicht für ihn selbst zu gelten. Dass er in den 70ern bei mehreren Sexfilmchen mitgespielt hat, nun, er war jung und brauchte wohl das Geld. Die Filme hatten so hochgeistige Titel wie „Unterm Dirndl wird gejodelt“, „Der Ostfriesen-Report: O mei, haben die Ostfriesen Riesen“ oder „Beim Jodeln juckt die Lederhose (There’s No Sex Like Snow Sex)“.

Er hat (oder hatte, das entzieht sich meiner Kenntnis) eine Wohnung in Münchner Schickeria-Viertel Schwabing, eine Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald – verbunden mit Streitereien mit dem Vermieter – ein Haus in der Toskana, andererseits singt er gegen hohe Mieten und ist bekennender Wähler der Linken. Im Film des Bayerischen Rundfunks wird diese Zerrissenheit wie folgt beschrieben: „Konstantin ist die brodelnde Vereinigung von Widersprüchen“.

Wie viele Künstler versuchte sich auch Wecker als Wirt. Sein „Kaffee Giesing“ war ein Treffpunkt für bekannte Künstler und Newcomer. Mir fallen da Hubert von Goisern mit seinen Alpinkatzen, Franz Josef Degenhardt, oder Hannes Wader ein, die in seinem Lokal auftraten. Nicht nur Musiker konnte man im Kaffee Giesing ansehen, auch Kabarettisten wie Dieter Hildebrandt oder Gerhard Polt und Willy Astor gaben sich die Klinke in die Hand. Dieter Hildebrandt sagte über Wecker: „Der Konny, der gehört zu der Gruppe der Triebtäter […] Der Junge ist ein Überangebot an Mensch. Er ist von allem etwas zu viel.“

Auch wenn man den Menschen Konstantin Wecker durchaus kritisch sehen kann, vielleicht sogar muss, die meisten seiner Lieder mag ich auch heute noch. Insofern wünsche ich ihm auch nach seinem 75. Geburtstag noch viele schaffensreiche Jahre. Wer den Film „Die Fenster offen, um zu fliegen“ sehen will, in der Mediathek des Bayerischen Fernsehens steht er noch bis zum 25. Mai 2023 zur Verfügung.



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  1. Sehe das ähnlich wie Kilian, Wecker ist schon irgendwie immer da, wo der Zeitgeist ist, natürlich war er fleißig dabei beim idenditären Geschwafel von pseudolinks, wie sollte es anders sein.
    Immerhin hat er wohl den Künstlerbrief unterschrieben, der sich kritisch an die (Ukraine-)Politik richtet. Dessen Inhalt kenne ich gar nicht, aber ein wenig Mumm gehört da schon zu, auch wenn man die Inhalte nicht teilen sollte.

  2. Ich habe von Wecker immer viel gehalten, auch von seiner politischen Arbeit. Als er aber mit Gendern angefangen hat, war es das für mich. Wenn ein Poet, der mit Sprache arbeitet, diesen Mist mitmacht, kann ich ihn nicht mehr ernst nehmen. Und mit jemand, den ich nicht ernst nehme, will ich nichts zu tun haben.

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