Glyphosat: Mythen und Fakten

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Das Unkraut-Vernichtungsmittel Roundup, welches Glyphosat enthält

Wenn es um das Thema Glyphosat geht, beherrscht Idologie, Propaganda und Meinung den Diskurs. Es wird kaum faktisch argumentiert, man verlinkt ein paar Studien, die man zwar in den wenigsten Fällen gelesen hat, aber deren Überschrift passend gewählt wurde.

Dabei wurde kein anderes Herbizid oder Pestizid so genau untersucht wie Glyphosat. Es ist ja auch lang genug auf dem Markt. Die Wissenschaft ist sich mehr oder weniger einig, dass Glyphosat relativ harmlos ist. Zumindest im Vergleich zu anderen Mitteln. Ja, es wäre besser wenn man auf Herbizide/Pestizide gänzlich verzichten könnte. Das ist aber derzeit (noch?) nicht möglich. Wer jetzt einwendet, es gäbe ja so viele Studien, die beweisen würden wie schädlich Glyphosat ist, der sollte sich nachfolgende Fakten durchlesen.

Eine Studie hat gezeigt, dass Glyphosat in der Milch von stillenden Müttern nachgewiesen werden konnte. Der Wert lag angeblich über den Grenzwerten für Trinkwasser.

  • Die Studie war nicht unabhängig; sie wurden von der Partei Die Grünen in Auftrag gegeben und von der Leipziger Firma BioCheck, einem Labor, das Studien für Umweltverbände anbietet, durchgeführt. Die angeblich gemessene Glyphosat-Konzentration war so gering, dass Säuglinge mehr als 1000 Liter Muttermilch pro Tag und ein Leben lang(!) trinken müssten, damit sich gesundheitliche Beschwerden erst bemerkbar machen. Die Messmethode der Studie hat sich als falsch erwiesen.

Eine andere Studie hat Glyphosat im Urin von der Hälfte der Bewohner von Großstädten in Europa nachgewiesen.

  • Auch diese Studie war nicht unabhängig, sondern von der Lobby-Organisation BUND in Auftrag gegeben. Die Aussage war haarsträubend unwissenschaftlich, weil nur eine Stichprobe von n=182 für ganz Europa(!) heran gezogen wurde. Die gemessenen Konzentration waren im erwartbaren Bereich und demonstrieren, dass Glyphosat ausgeschieden wird.

Mindestens zwei Studien haben Glyphosat in allen untersuchten Biersorten nachgewiesen. Alle Werte lagen über den festgelegten Grenzen der Trinkwasserverordnung

  • Nach den in dieser Studie gemessenen Konzentrationen müsste ein Erwachsener mehr als 1000 Liter Bier pro Tag ein Leben lang(!) konsumieren, damit erst eine Schädigung eintreten könnte. Selbst bei einem hundertstel der Menge an alkoholfreiem Bier würde der Mensch schon am ersten oder zweiten Tag an einer Wasservergiftung sterben. Der BUND hat begründet, die Trinkwasserverordnung als Referenzwert zu nehmen, weil angeblich kein anderer Richtwert zu Grunde liegt. Das ist Augenwischerei, weil die Trinkwasserverordnung willkürlich ist und als allgemeine Referenz für alle Lebens- und Genussmittel gilt, dass sie nicht schädigen dürfen.

Forscher zeigten, dass Embryonen, die Glyphosat-haltigen Lösungen ausgesetzt waren, Fehlbildungen aufzeigten. Dies wurde auch in der zweiten ARTE-Dokumentation zum Monsanto-Tribunal erwähnt.

  • Bei dieser Studie wurde eine Glyphosat-haltige Lösung Hühnerembryonen injiziert bzw. Froschembryonen in solch einer Lösung aufgezogen und gefolgert, dass Glyphosat teratogen sei. Die Studienergebnisse wurden von ARTE wirksam publiziert. Nicht publiziert wurde, dass die Veröffentlichung massive Kritik von Wissenschaftlern nach sich zog. Die Vorgänge seien höchst künstlich und mit der gleichen „Methode“ konnte bereits nachgewiesen werden, dass Kaffee teratogen sei (wenn man das Embryonen injiziert). Zudem wurden die Forscher falscher Zitierung überführt. Die Forscher waren nicht unabhängig: Der Forschungsleiter war ein Umweltaktivist. Die Verteidigung seiner Untersuchung zielte übrigens nur darauf ab, dass überall Monsanto sei. Zu den fachlichen Kritiken nahm er fast keine Stellung.

Eine Leipziger Wissenschaftlerin zeigte in einem Versuch, dass Glyphosat das Wachstum von Clostridium Botulinum, das Bakterium, das das extrem starke Nervengift BotNT, produziert, hemmt. Glyphosat wurde als eine der Ursachen des Rindersterbens ausgemacht (siehe auch erste ARTE-Dokumentation).

  • Diese Untersuchung wurde in keinen namhaften wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht, sondern nur gleich zwei Mal in den ARTE-Dokumentationen. Die Wissenschaftlerin ist Umweltaktivistin und Mitbegründerin des Umweltlabors BioCheck, welches bereits bei der Untersuchung von Muttermilch falsche Ergebnisse geliefert hat.

Wissenschaftler haben gezeigt, dass mit Glyphosat behandelter genmanipulierter Mais toxisch wirkt.

  • Die Studie wurde zwar publiziert, aber in der Wissenschaftsgemeinde wegen massiven Fehlern kritisiert. Die Kritik wurde so stark, dass der Herausgeber der Zeitschrift den Wissenschaftler bat, die Veröffentlichung zurück zu nehmen. Der weigerte sich und so zogen die Herausgeber die Studie selbst zurück. Das hinderte den Wissenschaftler nicht, die Studie wenig später erneut in geringfügig veränderter Form ohne Peer Review zu publizieren. Der Forscher wurde auch dafür kritisiert, dass er einen Tag vor der Publikation eine Pressekonferenz einberufen und die Journalisten verpflichtet hatte, keine negativen Meinungen anderer Wissenschaftler einzuholen

Die IARC hat Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend eingestuft

  • Diese Behauptung wird häufig als Argument für die Schädlichkeit von Glyphosat erwähnt. Im Artikel steht in einem Nebensatz, aber nicht deutlich dargestellt, dass alle führenden staatlichen Organisationen, die für die Bewertung von Glyphosat verantwortlich sind, die Einschätzung abgewiesen haben. „Wissenschaftlich nicht nachvollziehbar“, war zum Beispiel das Urteil des Bundesinstituts für Risikobewertung. Außerdem ist von der IARC als „wahrscheinlich krebserregend“ auch folgendes eingestuft: Babypuder, alle Getränke über 65 Grad, rotes und verarbeitetes Fleisch, also Schinken, Salami, Wurst, jede Art von Alkohol, fast alle Holzschutzmittel usw. Dieses „wahrscheinlich krebserregend“ bedeutet nicht, dass der Stoff wahrscheinlich krebserregend ist, sondern dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass durch diesen Stoff Krebs ausgelöst werden könnte. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit so gering ist, dass die Chance, dass es zutrifft wohl in Millionen von Jahren nicht auftritt. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

(Alle Erklärungen zu den Studien wurden aus mir zugänglichen Quellen recherchiert. Ich habe diese Informationen nach bestem Wissen und Gewissen wiedergegeben. Sollte ich mich irgendwo geirrt haben, freue ich mich über sachliche Diskussionen.)

Ein weiterer Punkt ist folgender: Glyphosat ist seit Jahrzehnten im Einsatz. Die Bauern wissen genau, wie man das Produkt am besten anwendet. Außerdem ist das Patent mittlerweile abgelaufen und da die Zusammensetzung von Glyphosat allgemein bekannt ist, kann es von anderen Anbietern sehr günstig verkauft werden.

Was würde jetzt passieren, wenn man Glyphosat verbieten würde? Meint jemand im Ernst, die Bauern würden auf Knien über ihre Felder kriechen und das Unkraut per Hand auszupfen? Oder das giftige Kupfer in den Boden geben, wie einige Bio-Bauern das tun? Nein. Man würde auf andere Produkte ausweichen. Auf Produkte, die noch unbekannt sind. Produkte, die teuer sind. Produkte, von denen man keine Langzeitfolgen kennt. Profitieren würde davon unter anderem Bayer, denn die könnten die neuen, wenig getesteten und teuren Produkte verkaufen und müssten nicht zusehen, wie die Konkurrenz günstige Glyphosat-Produkte auf den Markt wirft. Dass die Firma Bayer Parteitage der Grünen sponsert, hat sicher nichts damit zu tun, dass die Grünen Glyphosat verbieten wollen. Oder vielleicht doch?

Die Diskrepanz aus veröffentlichter Wahrnehmung und wissenschaftlichen Ergebnissen liegt zumeist in den Aktivitäten von Lobbyorganisationen, die wertlose Studien dramatisieren und den Qualitätsmedien, die mit reißerischen Überschriften in diese Hysterie einsteigen, aber die Kritik an den Studien vornehm verschweigen.

Dabei sind Wissenschaftler in zunehmendem Maße verärgert über die Medien und Umweltlobbyisten, die eine FUD-Kampagne (Fear, Uncertainty and Doubt: „Das Geschäft mit der Angst“) fahren und wissenschaftliche Ergebnisse schlicht und einfach ignorieren, während Motivationsbasierte „Forschung“ von Lobbyisten in die Schlagzeilen gelangen und so die Wissenschaft unglaubwürdig machen.

Das Ganze ähnelt Glaubensvorstellungen von Neo-Linken Hipstern, die sich aus Wohlstandverdrossenheit als Bessermenschen darstellen wollen und Probleme erfinden, wo keine sind. So resistent sie gegen Fakten sind, umso überzeugter sind sie im Glauben.

Es dient dem Umweltschutz nicht, wenn ihn Glaubenskrieger ins Lächerliche ziehen und Umweltschutz als ein Thema von Spinnern vorgeführt wird.

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