Fucking gibt es nur noch im Museum

Voraussichtliche Lesedauer des Artikels: 3 Minuten

Es war einmal eine kleine Rotte in Oberösterreich, die hatte den für Österreicher völlig unspektakulären Namen Fucking. Ach ja, eine Rotte ist übrigens eine Wohnsiedlung, die aus wenigen Gebäuden besteht. Der Name Fucking ist ab 1070 belegt und stammt vermutlich von Adalpert von Vucckingen, der im 11. Jahrhundert in der Region lebte. Zumindest berichtet das die Wikipedia.

Nun gab es ein Problem: Durch soziale Medien wurden immer häufiger englischsprechende Touristen auf den Ort aufmerksam. Denn „Fucking“ heißt bekanntlich ins deutsche übersetzt „Ficken“ und dieses Wort ist insbesondere in Amerika ein ganz ganz böses Wort und wird bei Talkshows häufig durch einen Piepston unhörbar gemacht. Diese Besonderheit wollte man sich nicht entgehen lassen und so strömten Scharen von Touristen in die kleine Siedlung. Die harmloseren fotografierten sich vor dem Ortsschild und teilten das Bild stolz in den sozialen Medien. Die Google-Bildersuche findet etwa 86.500 Einträge für „Fucking Ortsschild“ und sogar etwa 373.000.000 Bilder mit dem Suchbegriff „Fucking Austria„. Eine Zeitlang war sogar der Hashtag „#fuckingaustria“ sehr beliebt.

Es gab aber auch Leute, die das Schild abbauten und klauten. Selbst ein Einbetonieren der Ortsschilder an den vier Einfahrten in den Ort half nichts. Immerhin kostet so ein Ortsschild etwa 100 Euro. Also entschloss man sich, Fucking zum 1. Januar 2021 in Fugging umzubenennen. Zwar gibt es den Ort Fugging bereits in Österreich, aber der andere Ort befindet sich in Niederösterreich, eine Verwechslung sollte dadurch ziemlich ausgeschlossen sein.

Um die Umbenennung gab es durchaus hitzige Diskussionen. So gab es die Einwohner, die einfach nur ihre Ruhe haben wollten und für die Umbenennung waren, aber auch diejenigen, die sich durch den Tourismus durchaus ein paar Euro verdienen wollten. Immerhin hatte man schon begonnen, ein Bier mit dem Namen „Fucking Hell“ brauen zu lassen. Das Bier wurde übrigens in Deutschland gebraut, in der näheren Umgebung fand sich keine Brauerei, die ein Bier mit diesem Namen brauen wollte.

Die Gegner der Umbenennung wiesen darauf hin, dass es ja durchaus auch andere Orte mit ungewöhnlichen Namen geben würde und man damit durchaus Touristen anlocken und Geld verdienen könnte. Man erwähnte in diesem Zusammenhang eine Gemeinde in Wales, die ähnlich wie Fucking keinerlei Sehenswürdigkeiten besitzt. Auch dort ist die einzige Attraktion der Name: Er lautet Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch und ist mit 58 Buchstaben Europas längste amtliche Ortsbezeichnung. Dort änderte man den Namen nicht um, im Gegenteil. Man ließ ihn in das Guinness-Buch der Rekorde eintragen und freut sich über das Geld, welches die Touristen in den Pubs und Souvenirshops liegen lassen.

Anders in Fucking. Dort konnten sich die Befürworter einer Umbenennung durchsetzen und so wurde die letzte Ortstafel im September 2021 dem Haus der Geschichte Österreich zur Verfügung gestellt. Für die Freunde spezieller Namen gibt es in Österreich durchaus Alternativen. Zum Beispiel Votzenthalhof, Mösendorf, Maria Gail, Sexling, St. Blasen oder Rammellhof, um nur ein paar zu nennen. Fucking gibt es jetzt endgültig nur noch im Museum, und wenn sie nicht gestorben sind, können die knapp 100 Bewohner der Rotte Fugging jetzt friedlich und ohne Touristen leben.

Beitrag auf sozialen Netzwerken teilen:


Kategorien:Alle Artikel, Kurioses

Schlagwörter:, ,

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: