Impfkampagne der Bundesregierung geht nach hinten los

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Es gab schon mehrere Kampagnen der Bundesregierung, die die Menschen zum Impfen gegen Corona bringen sollten. So zum Beispiel eine Kampagne mit Uschi Glas, die Corona mit der Kinderlähmung verglich und kund tat, dass sie ihren „Enkel seit über einem Jahr nicht mehr im Arm gehabt“ habe.

Auch Günther Jauch machte Impfwerbung für die Bundesregierung, erkrankte aber selbst an Corona. Da die Impfbereitschaft der Deutschen mittlerweile ins Stocken geraten ist, gab die Bundesregierung nun erneut Steuergelder für eine Impfkampagne aus. Dieses Mal sollte alles ganz hip und cool werden, man wollte offensichtlich gezielt ein junges Publikum ansprechen. Allerdings ging die Aktion mit fünf Influencern derartig nach hinten los, dass man die Kampagne nach wenigen Tagen einstellte.

Die Agentur, die die Impfkampagne erstellte, ist die „Zum goldenen Hirschen Holding GmbH„. Eine Agentur, die häufig Kampagnen für die Bundesregierung erstellt, aber auch laut ihrer Webseite für so bekannte Marken wie BMW, AOK, Bayer, Nestle, Coca-Cola, Google, Nutella und viele andere tätig ist. Einige Jahre war die Agentur für die Wahlkampf-Kampagnen der Grünen zuständig, allerdings hat man sich zur Bundestagswahl 2017 nach einem vorigen Auseinandergehen im Jahre 2007 erneut getrennt.

Für die Kampagne wurden folgende Influencer engagiert: Alicia Awa, Diademlori, Inscope21, SelfieSandra und Twenty4Tim. Geplant war, dass die Kampagne bis zum 5. September 2021 laufen sollte, die Spots werden aber nicht mehr beworben und sind zum großen Teil auch nicht mehr abrufbar.

Nun mag es durchaus sein, dass ich zu alt bin um zu verstehen, was Jugendliche heutzutage cool finden. Der Clip mit Alicia Awa ist Stand heute auf TikTok noch zu sehen. Eine zappelnde junge Frau zitiert in nachäffender Art eine angebliche Aussage: „Ich lass mich nicht impfen weil es mir zu lange dauert“, um dann zu behaupten, „Aber jedes Wochenende vorm Club Schlange stehen, vorher drei Stunden für Haare, Nägel und Make-Up?“ Ernsthaft? Braucht man heute wirklich drei Stunden für „Haare, Nägel und Make-Up“? Aber es geht noch weiter: „Aber fürs Impfen kurz beim Arzt zu warten, unmöglich?!“ Natürlich darf die Moral-Keule nicht fehlen: „Es geht nicht um dich, es geht um uns alle. Geh Impfen.“

Wie gesagt, ich bin sicher nicht die Zielgruppe dieses Clips, aber wenn mir jemand so dümmlich gekommen wäre, hätte ich gesagt „Schleich dich!“ Ein weiterer Clip ist noch extremer, er stammt von „SelfieSandra“: Auch hier wird eine Aussage von irgend jemand nachgeäfft: „Ich lass mich nicht impfen, weil ich Angst vor der Nadel habe“. Und jetzt kommt eine Unterstellung, die auf erschreckende Weise zeigt, wie die „Profis“ vom „Goldenen Hirschen“ die heutige Jugend sehen: „Hattest du auch Angst, als du dich botoxen lassen hast? Oder bei den Tattoos auf deinem Körper? Ich glaube nicht! Also lass dich impfen!“ Ich kenne niemanden, der Angst vor der Nadel hat und sich trotzdem tätowieren lassen würde. Aber ich kenne persönlich auch niemanden, der sich Botox spritzen lässt.

Der Verlag „Werben und Verkaufen“ (W&V) beschreibt, woran es bei der Kampagne seiner Meinung nach hapert: „Die Videos wirken plump und setzen auf Beleidigung statt auf Überzeugung. Fragwürdige Argumente […] spielen auf die Oberflächlichkeit der Zielgruppe an und machen sich über sie lustig, statt sie zu motivieren.“ Man zitiert auch den TikToker „HerrAnwalt“ mit den Worten: „Die Kampagne schafft die Grundlage dafür, dass die Extreme wieder aufeinander einschlagen“. Die FAZ schrieb: „Die Kommentare waren überwiegend negativ, was die Bundesregierung auf Anfrage der F.A.Z. selbst einräumt. Einer der Influencer hat sogar Morddrohungen erhalten“.

Manchmal wünschte ich mir, dass Politiker Rechenschaft ablegen und Verantwortung dafür übernehmen müssten, was sie mit unseren Steuergeldern so alles anstellen. Vielleicht würde uns dann eine derartig in die Hosen gegangene Kampagne erspart bleiben.

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