Die weiße Frau und die Polizei

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(Bild: Antje M. Berberich)

In Bayern gibt es viele Kapellen. Und um einige ranken sich Sagen und Gerüchte. So auch um die Hubertus-Kapelle im Ebersberger Forst (nähe München). Dort soll eine Frau bei der Kapelle in den 1940er Jahren von einem Auto angefahren worden sein. Der Unfallverursacher beging Fahrerflucht und ließ die sterbende Frau auf der Straße zurück. Angeblich wurden auch die beiden Kinder der Frau bei diesem Unfall getötet.

Seitdem erscheint die Frau Autofahrern als Anhalter, um diese stellvertretend für ihren Mörder zur Rede zu stellen. Hält das Auto nicht an, erscheint der Geist im Inneren des Autos und versucht, dem Fahrer ins Lenkrad zu greifen. Zwar gibt es bei den Behörden keinerlei Aufzeichnungen über einen Unfall, der sich so zugetragen hat wie die Legende berichtet. Aber das hat Legendenbildungen noch nie gestört.

Die Weiße Frau aus Ebersberg ist nicht nur in Bayern bekannt. Sogar ein Fernsehteam aus Japan war, wie die Süddeutsche Zeitung vor einigen Jahren berichtete, vor Ort um eine Sendung zu dieser Spukgestalt zu drehen. Es gibt auch eine Horrorserie aus den Jahren 2016 und 2017 mit Namen „Ebersberg„, wo die Weiße Frau der Hubertus-Kapelle thematisiert wird. Auf Youtube finden sich einige „Beweis-Videos“ dafür, dass die Weiße Frau wirklich spuken soll. In wieweit die Videos bearbeitet wurden, oder den Spuk tatsächlich filmten, kann jeder selbst entscheiden.

Bundesweit gibt es jedes Jahr den „Tag des offenen Denkmals„. Übrigens: vor ein paar Jahren war ich während dieses Denkmaltags im „Kräutergarten der Nazis“ und habe darüber berichtet: Allein im Ebersberger Forst wurden dieses Jahr 31 Führungen und Aktionen offiziell angemeldet. Und in einer davon, die die vhs Grafing veranstaltete, ging es um die „Weiße Frau“ an der Hubertuskapelle im Ebersberger Forst, die dicht neben der Staatsstraße 2080 steht.

Wie der Münchner Merkur berichtete, hatte der Kreisheimatpfleger Thomas Warg und die Staatsforsten für diesen Tag ein Programm zusammengestellt. Die frühere Ebersberger Stadtarchivarin Antje M. Berberich verkleidete sich als Weiße Frau und spukte rund um die Kapelle herum. Kamen Passanten vorbei, erzählte sie diesen die Geschichte der Weißen Frau.

Doch plötzlich war es vorbei mit dem Spuk. Nachdem einige Autos an der Kapelle vorbeigefahren waren, bremste eines abrupt und blieb an der Kapelle stehen. Berberich sagte dazu dem Münchner Merkur: „Zwei empörte Polizisten sprangen heraus und hieben mit Worten auf mich ein. Ich bat um Gelassenheit und Höflichkeit, erzählte meine Mission, die sie allerdings nicht glaubten.“ Die Frau konnte sich nicht mehr selbst helfen und rief Thomas Warg um Hilfe, der bei den Polizisten für Berberich bürgte. 30 Minuten später durfte die „Weiße Frau“ dann weiter spuken.

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