Die Bücherverbrenner des 21. Jahrhunderts

(Bild: Jason Verwey) Bücherverbrennung im 21. Jahrhundert

(Bild: Jason Verwey) Bücherverbrennung im 21. Jahrhundert

In unserem digitalisierten Zeitalter muss man keine Bücher mehr verbrennen – Bücher liest heute eh kaum mehr jemand. Im 21. Jahrhundert greift man zu den Methoden der heutigen Zeit, das Gedankengut dahinter ist aber genau das selbe wie beim Verbrennen von Büchern.

Um was geht es: Sowohl bei Facebook als auch bei Twitter wie auch bei anderen Plattformen ist es möglich, fremde Kommentare als Spam oder als unpassend zu melden. Tut dies eine bestimmte Anzahl von Benutzern, wird der entsprechende Beitrag gesperrt. Manchmal wird der Beitrag nur nicht angezeigt, bei Facebook erfolgt eine automatische Sperre von 12 Stunden und eine automatische Löschung des Beitrags, bei Twitter wird der komplette Account gesperrt.

Dabei wird die Sperre nicht weiter überprüft, was bei der Menge an Sperranträgen vielleicht auch nicht möglich ist, allerdings wird dadurch dem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet. Das Ganze ist prinzipiell eine durchaus sinnvolle Maßnahme. Kann man sich auf diese Art und Weise vor Dauerspamern schützen, die irgendwelche Marketingprogramme, Penisverlängerungen oder sonstiges Zeug verkaufen wollen.

Mittlerweile haben auch die Bücherverbrenner des 21. Jahrhunderts diese Methode entdeckt, um Andersdenkende zu zensieren. Sie haben herausgefunden, dass ein Beitrag automatisch gelöscht wird und weitere Maßnahmen wie Accountsperren ausgelöst werden, wenn eine bestimmte Anzahl an Nutzern einen Beitrag meldet.

Auf Twitter gibt es teilweise Aufrufe zum Blocken von Andersdenkenden mit Namen von unliebsamen Benutzern, deren einziges “Vergehen” es ist, eine andere Meinung zu haben. Ja, manche Diskussionen werden leidenschaftlich geführt und es geht häufig nicht darum, einen Konsens zu finden, sondern Recht zu haben. Nur: Ist die moderne Bücherverbrennung der richtige Weg, dieses Ziel zu erreichen? Warum können manche nicht akzeptieren, dass es Menschen gibt, die anders denken als man selbst? Ist es vielleicht im tiefsten Inneren das Wissen darum, dass die eigene Meinung vielleicht doch ihre Schwächen hat? Denn wenn nicht – warum sollte man sonst Andersdenkende zensieren?

Ich würde mir wünschen, dass man wieder zu einer Diskussionskultur findet, in der es nicht darum geht, Andersdenkende nieder zu machen, sondern darum, entweder einen Konsens zu finden und wenn das nicht möglich ist, sich einfach aus dem Weg zu gehen.

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Über Aranita

Humanist. Geocacher. Gamer. Freifunk. Werte: Freiheit, Gerechtigkeit. Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben.

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Trackbacks/Pingbacks

  1. Wetten Dass… und der Terror der Pseudo-Empörten | Aranitas Gedanken - 16.01.17

    […] So etwas ist in einer Demokratie mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung durchaus üblich. Man hat unterschiedliche Meinungen, diskutiert darüber, kommt auf einen gemeinsamen Nenner oder man kann sich auch einmal nicht einigen, das wars. Nicht so an Tagen wie diesen. Meinungsfreiheit Andersdenkender darf nämlich für einige Fanatiker nicht sein. Die Spamblock-Mafia auf Twitter hat wieder einmal zugeschlagen (Ich habe auf diese Bücherverbrenner des 21. Jahrhunderts bereits hingewiesen). […]

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