Die Sache mit der Filterblase

10.12.16

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Filterblasen bestimmen immer häufiger das Handeln

Filterblasen bestimmen immer häufiger das Handeln

Nicht nur in Deutschland gibt es das „Wort des Jahres“, es gibt es zum Beispiel auch in der Schweiz. Dort wurde „Filterblase“ zum Wort des Jahres 2016 gekürt, wie 20min.ch berichtete. Ein, wie ich finde, sehr passendes Wort, denn kaum etwas anderes hat unsere Art zu Diskutieren, unsere Art zu Denken oder wie wir mit dem politischen Gegner umgehen mehr beeinflusst als Filterblasen.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Filterblasen. Die, die man selbst erschafft und die, die von Außen vorgegeben werden. Sehen wir uns zuerst die selbst geschaffenen Filterblasen an: Hier umgibt man sich im Netz (im wirklichen Leben ist das nicht so einfach) ausschließlich mit Menschen, die der selben Meinung sind wie man selbst. Menschen mit anderer Meinung werden weggeblockt, auf Ignorieren gestellt oder auf andere Weise unsichtbar gemacht. Dadurch lebt man in einer Art Wohlfühlraum und wird nicht gestört durch Menschen, die gewisse Dinge anders sehen als man selbst.

Aber Filterblasen werden auch von Außen vorgegeben. Besonders hat sich Facebook mit dem Erstellen von Filterblasen hervorgetan. Man bekommt auf der Startseite nicht mehr alle Beiträge in chronologischer Reihenfolge angezeigt, sondern ein Algorithmus bestimmt aus vielfältigen Informationen, welche Beiträge man zu sehen bekommt. Wie genau der Algorithmus funktioniert, wird zwar geheim gehalten, aber einiges weiß man doch. Da Facebook jederzeit speichert, auf welchen Seiten man unterwegs ist, wird ein Ranking von den beliebtesten Seiten erstellt. Auch die Verweildauer oder wie oft man auf weiterführende Seiten klickt, wird gespeichert. Diese Seiten werden nach Inhalt, Links und Besucher bewertet. Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Informationen und aus all diesen Informationen findet man heraus, welche Vorliebe jeder einzelne Benutzer hat.

Vor einigen Jahren wurden diese Informationen hauptsächlich dazu genutzt, Werbung zu schalten an der der Benutzer interessiert ist. Man kann das beispielsweise bei Amazon oder anderen Online-Versandhändlern sehr gut sehen. Wenn man eingeloggt ist, sieht man auf der Startseite völlig andere Produkte als wenn man nicht eingeloggt ist. Mittlerweile werden die Informationen zusätzlich für eine Filterblase genutzt, denn man bekommt nur noch das angezeigt, was der Algorithmus als passend erachtet. Das Problem dabei ist, dass abweichende Meinungen – oder was der Algorithmus dafür hält – verschwinden. Der User hat immer mehr das Gefühl, alle anderen Menschen denken wie er und wenn man dann einmal auf andere Meinungen trifft, sozusagen in das wirkliche Leben entlassen wird, platzt die Blase mit einem lauten Knall. Das Ergebnis sind dann häufig sogenannte „Hasspostings“ oder das Schieben von anderen Menschen in Schubladen.

Diese „Betriebsblindheit“ gab es zwar immer schon. So hat ein Sozialarbeiter, der Tag für Tag in Ghettos unterwegs ist, ein anderes Bild auf die Menschen wie ein Minister, der geschützt durch seine Aufpasser, die Welt nur noch aus seinem Wolkenkuckucksheim betrachtet. In dieser extremen Form, wie die Filterblasen jeden von uns manipulieren, ist das Ganze aber eine gefährliche Manipulation, die erst in letzter Zeit so richtig zu bemerken ist und ein Hauptgrund für die immer schneller um sich greifende Spaltung der Gesellschaft ist.

Das Problem von Blasen ist aber, dass sie alle irgendwann platzen. Das hat man beim Brexit gesehen wo die deutschen Mainstreammedien unisono davon ausgingen, dass dieser nie eintreten würde oder bei der Wahl von Donald Trump, dem kaum jemand den Sieg bei den amerikanischen Präsidentenwahlen zugetraut hätte.

Es täte jedem von uns gut, aus fremden oder selbstgemachten Filterblasen auszubrechen und die Welt wieder so zu sehen, wie sie wirklich ist und nicht wie sie uns Konzerne einreden oder wir sie uns selbst durch hausgemachte Filterblasen verfälschen.

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Über Aranita

Humanist. Geocacher. Gamer. Freifunk. Werte: Freiheit, Gerechtigkeit. Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben.

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