Das Abenteuer Tollwood

Voraussichtliche Lesedauer des Artikels: 3 Minuten
Renate Dienersberger (links) und Thommy T. auf dem Tollwood

Heute war ich auf dem Tollwood. Das ist insofern bemerkenswert, da ich mir vor zehn Jahren oder so vorgenommen habe, nie mehr dort hin zu gehen.

Der Grund war einfach: Frankenberger hat dort Werbung für seinen Verbotsentscheid gemacht. Ich habe darauf angefragt, ob wir als Gegner des Verbotsentscheides auch einen Stand bekämen oder zumindest Flyer verteilen dürften. Ich bekam eine Absage, man wolle „so jemanden wie uns“ nicht auf dem Tollwood haben. Dass mich dieses ganze „Bio“-Getue genervt hat, dass ich die Preise überhöht fand – das alles hätte ich akzeptiert. Nicht aber die Ungleichbehandlung.

Jetzt habe ich erfahren, dass eine liebe Bekannte, Renate Dienersberger, mit Thommy T. auf dem Tollwood spielt. Da ich ihr gerne zuhöre, habe ich meine Bedenken über Bord geworfen und mir gedacht, „Fahr ich da halt mal wieder hin“.

Ok, also ins Auto gestiegen und nach München gefahren. Dort, wo wir früher immer geparkt hatten, war die Einfahrt verboten. Also dachte ich mir, ich fahre mit den Öffentlichen, insbesondere da es einen Bus gibt, der direkt am Tollwood hält. Wir fuhren also zum Scheidplatz, wo der Bus los fuhr.

Schon an der Haltestelle wäre ich am liebsten umgekehrt. Massen an Menschen standen da und wollten alle in den Bus. Irgendwie haben wir uns hineingequetscht und wollten eine Fahrkarte lösen. Der Automat war wunderbar mit Touchscreen ausgestattet und man konnte sogar Scheine hinein geben. Ich habe also die gewünschte Fahrkarte ausgewählt und schob einen 20-Euro-Schein in den dafür vorgesehenen Schlitz. Dummerweise kam der Schein wieder heraus und der Automat meinte, für eine Kurzstreckenkarte dürfe ich höchstens mit einem 10-Euro-Schein zahlen. Ich hab den Fahrer gefragt, ob er mir die 20 Euro in zwei 10-Euro-Scheine wechseln könne, er konnte nicht. Ich meinte dann, was ich tun solle und er sagte nur trocken: „Fahren S‘ halt so mit!“

Eingepfercht in schwitzende, zum Teil seltsam riechende Menschen, durch das ständige Anfahren und Bremsen immer wieder in Kontakt mit anderen Fahrgästen, fuhren wir also zum Tollwood. Endlich kamen wir an. Luft!

Das Tollwood war, wie ich es vor zehn Jahren in Erinnerung hatte. Voll, Teuer, Hektisch. Wir haben uns ein bisschen umgesehen und sind dann zum Andechser-Zelt gegangen, wo Renate Dienersberger und Thommy T. schon am Spielen waren. Ein alkoholfreies Weißbier und ein Mineralwasser für 7 Euro, das geht für Münchner Verhältnisse. Das Pfand schlug pro Glas mit 2 Euro zu Buche.

Ein Stück weiter war ein Grieche, dort habe ich für mich einen Gyros-Teller und für die Beste Ehefrau des Universums einen Vorspeisen-Teller gekauft. Etwa 30 Euro (einschließlich je 2 Euro Pfand für die Teller) wanderten über den Tisch des Hauses. Als ich nach einer Serviette fragte, wusste ich schlagartig wieder, warum ich dieses Gutmenschen-Getue nicht mag. Eine Serviette kostete 2 Euro „wegen dem Umweltschutz“. Ich habe dankend verzichtet.

Zum Glück haben Renate und Thommy T. wunderbar Musik gemacht, so dass der Tag trotz allem einen positiven Ausklang genommen hat. Bei der Rückfahrt war der Bus halbwegs leer, ich bekam sogar einen Sitzplatz. Solange die Autohasser-Stadt München nicht den öffentlichen Nahverkehr sinnvoll ausbaut, werde ich auch in Zukunft den ÖPNV meiden, wo ich kann. Im Auto kann ich – auch wenn ich im Stau stehe – wenigstens die Musik hören, die mir gefällt. Und ich muss mich nicht schwitzender Menschen erwehren.

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