Gender-Ideologie – Heute: Der Lübecker Doppelpunkt

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Das Frauenbüro der Hansestadt Lübeck hat einen „Leitfaden für gendersensible Sprache bei der Hansestadt Lübeck“ heraus gebracht. Unterschrieben ist dieser Leitfaden vom Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) und der Gleichstellungsbeauftragten Elke Sasse.

Unter „Grundsätzliches“ wird zum Beispiel erklärt, dass der Begriff „Milchmädchenrechnung“ oder Sprachbilder wie „Not am Mann“ verhindert werden sollen. Denn das seien „Stereotypen“ oder „Rollenklischees“. Aber nicht nur Sprache wird reglementiert. Bei Bildern muss man künftig auf die „gezielte Auswahl unter der Fragestellung, wen Sie erreichen möchten und wie alle Geschlechter berücksichtigt werden können“ achten.

Dann geht es ans Eingemachte. Es wird der „Gender-Doppelpunkt“ beworben. Als ob durch Sternchen, Unterstriche, Schrägstriche und ähnlichen Sprachverschandelungen nicht schon genug Unheil angerichtet worden wäre (Vorleseprogramme drehen bei diesen Kunstworten durch, Menschen mit Schreib-Leseschwäche haben noch mehr Verständnisprobleme), bekennt sich Lübeck zum „Gender-Doppelpunkt“. Als Begründung gibt man an, „Der Doppelpunkt zieht das Wort nicht auseinander wie der Unterstrich oder das Sternchen und bezieht trotzdem alle Personen mit ein (anders als z.B. die bisherige Variante mit dem Binnen-I)“.

Neben dem Doppelpunkt ist es auch erlaubt, sogenannte „Genderneutrale Personenbezeichnungen“ zu verwenden. Die Hansestadt Lübeck versteht darunter das Partizip Präsens, also zum Beispiel „Studierende“. Dass man hier die Grammatik ignoriert, ja sogar mit Füßen tritt, spielt keine Rolle. Denn die Grundbedeutung des Partizips ist immer die Gleichzeitigkeit. Ein „Studierender“ ist nur dann studierend, wenn er gerade in diesem Moment studiert. Wenn er isst, ist er „Essender“ und nicht „Studierender“. Wenn er Fahrrad fährt, ist er „Fahradfahrender“. Und wenn er in der Uni schläft, ist er ein „in der Uni Schlafender“.

Helmut Glück, der Sprachwissenschaft und Deutsch als Fremdsprache an der Universität Bamberg gelehrt hat, beschreibt das Ganze in der FAZ sehr treffend wie folgt: „Ein sterbender Studierender ist jemand, der beim Studieren, studierend also, stirbt. Ein sterbender Student hingegen kann dem Tod beim Essen, beim Radeln, beim Schlafen, kurz gesagt, bei jeder beliebigen Aktivität begegnen.“

Im Lübecker Gender-Leitfaden werden Beispiel-Begriffe genannt und wie man diese nun bezeichnen muss. Statt „Mitarbeitergespräch“ muss man sich mit Ungetümen wie „Jahresgespräch/Qualifikations- oder Beurteilungsgespräch“ herumschlagen. Und statt „Teilnehmerliste“ ist „Teilnehmeliste“ erwünscht. Dass „Teilnehmerliste“ im Duden steht, während man „Teilnehmeliste“ dort nicht findet, was solls. Ideologie schlägt korrekte Sprache.

Selbst Begriffe, die nicht einmal das sogenannte generische Maskulinum benutzen, sind verpönt. Statt „Man muss beachten…“ soll man „Es muss darauf geachtet werden…“ verwenden. Völlig ideologisch verworren wird es bei Institutionen. Als Beispiel wird angeführt, dass „die Kirche als Arbeitgeber“ durch „die Kirche als Arbeitgeberin“ ersetzt werden soll.

In viele Berichten über den Gender-Irrsinn der Hansestadt Lübeck liest man etwas von „Gendergerechtigkeit“. Man muss den Lübeckern zu Gute halten, dass sie dieses Wort nicht verwenden, sondern den Begriff „gendersensibel“ benutzen. Denn was wirklich gerecht wäre, hat das Satiremagazin „Der Postillon“ unter dem Titel „Gleichberechtigung: Männer fordern eigene Geschlechtsendung“ thematisiert. Durch das generische Maskulinum gibt es zwar den Begriff „Bäcker“ für alle Bäcker, egal welches Geschlecht sie haben, und den Begriff „Bäckerin“ für ausschließlich weibliche Bäcker, aber keinen Begriff, der ausschließlich männliche Bäcker meint. Der Postillon schlägt vor, dafür den Begriff „Bäckerer“ einzuführen.

Dem ideologischen Hass auf das generische Maskulinum setzt der Linguist Peter Eisenberg, der in Potsdam Germanistik gelehrt hat, in der FAZ folgendes entgegen: „Wir brauchen das generische Maskulinum im Deutschen und verwenden es auch spontan, ohne viel davon zu merken. […] Niemand hat das Recht, so etwas aus der Sprache zu verbannen.“ Als Beispiel führt er den Satz „Bisher galten Sandra Maischberger und Jörg Schönenborn als unbescholtene Journalisten“ an, wo niemand, der noch in der Lage ist, normal zu denken, auf die Idee kommen würde, mit „Journalisten“ würde man ausschließlich Männer meinen.

Diese ganze ideologische Genderei begründet sich übrigens auf einer Lüge. Der Lüge, dass Genus (grammatikalisches Geschlecht) und Sexus (natürliches Geschlecht) gleich seien. Sogar der indoktrinierteste Genderidiot kann nicht behaupten, dass mit „Der Mensch“ nur männliche Menschen gemeint sind oder mit „die Person“ nur weibliche Personen. Aber Fakten interessieren Ideologen nur in ganz seltenen Fällen.



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