Der Blödsinn mit der „innen“-Mode

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Letzte Änderung des Artikels am 16. Oktober 2021 von Aranita

Für die Benutzung von Gendersternen oder Doppelpunkten oder Unterstrichen oder sonstigen Sonderzeichen gibt es eine klare Mehrheit, die eine derartige Kunstsprache ablehnt. Einige meinen, man sollte doch deshalb Doppelungen wie „Lehrerinnen und Lehrer“ benutzen. Warum auch diese Form grammatikalisch falsch ist und nichts weiter als ideologische Bevormundung, möchte ich in diesem Artikel begründen.

Man hört bei derartigen Diskussionen immer, Sprache würde sich wandeln. Ja, das ist richtig, hat aber nichts mit diesem Thema zu tun. In meiner Jugend war es noch selbstverständlich, unverheiratete Frauen als „Fräulein“ zu bezeichnen. Dagegen hat man sich gewehrt und diesen Begriff auch mehr oder weniger abgeschafft. Obwohl es ja durchaus das männliche Gegenstück „Jüngling“ gibt. Es gab da durchaus andere Meinungen, meine Französischlehrerin bestand zum Beispiel darauf, sie „Fräulein“ zu nennen. Übrigens: erst im Jahre 1950 wurde in Deutschland die Zölibatspflicht für Lehrerinnen abgeschafft.

„Bäcker“ bezeichnet geschlechtsneutral Menschen, die den Bäckerberuf ausüben

Nun kommen wir zum „innen“-Trend. Begriffe mit „innen“ am Ende beschreiben ausschließlich weibliche Menschen, es gibt dafür einfach kein rein männliches Gegenstück. Wer bei dem Begriff „Bäcker“, „Schreiner“ und so weiter mit der „innen“-Mode darauf hinweisen muss, dass das natürliche Geschlecht der Person eine Frau ist, diskriminiert diese. Ganz nach dem Motto „Sogar eine Frau kann den Job eines Bäckers ausüben“. Es sollte aber einfach keine Rolle spielen, wie das natürliche Geschlecht eines Bäckers ist. Denn ob jemand ein guter Bäcker ist, hängt nicht vom Geschlecht ab, sondern von der Kompetenz im Beruf.

Spannend in diesem Zusammenhang war es, als Merkel und Macron eine Ehrenformationen abgelaufen sind und der Reporter, der sonst jede Möglichkeit wahrnimmt, dieses „Politikerinnen und Politiker“ zu benutzen, sagte „Die Politiker Merkel und Macron schreiten die Ehrenformation ab“. Man merkte, wie er eigentlich die Doppelung sagen wollte, dann aber wohl selbst gemerkt hat, dass das doch nicht so gut klingt, und den Satz dann doch korrekt ausgesprochen hat.

Dass sich die Sprache ändert, höre (lese) ich bei derartigen Diskussionen öfter. Das ist ja auch nicht falsch. Früher sagte man zum Beispiel „Mannequin“, heute sagt man „Model“. Auch hat man früher „Reklame“ gesagt, heute sagte man „Werbung“.. All dies hat aber nicht die Grundregeln der Sprache verändert. Wenn man aber Sprache aufgrund einer Ideologie von oben herab ändert, hat das nichts mit einer gesunden und natürlichen Änderung aus dem Sprachgebrauch heraus zu tun.

Mit dem Begriff „der Mensch“ wird nicht ein männlicher Mensch gemeint, sondern alle Menschen. „Die Person“ ist auch nicht zwingend eine Frau. Das natürliche Geschlecht spielt keine Rolle. Das ist die Sache mit dem Genus und Sexus bzw. grammatikalisches und natürliches Geschlecht, wie ich schon erwähnt habe. Dazu ein kleines Beispiel: „Der Säugling war die Geisel und das Kind leidet darunter bis heute“. Alle drei grammatikalischen Geschlechter werden hier für eine einzige natürliche Person verwendet. Auch würde wahrscheinlich niemand behaupten, „die Leiche“ habe ausschließlich ein weibliches Geschlecht und „der Leichnam“ wäre explizit ein toter Männerkörper.

Doppelformen sind ein Machtinstrument

Daniel Scholten beschreibt in seinem Buch „Deutsch für Dichter und Denker – Unsere Mutter­sprache in neuem Licht“ aus dem Jahr 1994, dass diese Doppelungsideologie nicht im täglichen Sprachgebrauch stattfindet, sondern dort, wo Macht verteilt wird: Wörtlich heißt es im Buch: „Im zwischenmenschlichen Alltag, wo sich Männer und Frauen als ihres­glei­chen behan­deln, finden sich Dop­pel­formen auch im Deutschen nicht. Nie­mand sagt, die Verkäufer und Ver­käu­ferin­nen im Super­markt an der Ecke seien ganz schön un­freund­lich, wenn er keine pro­pagan­disti­schen Motive hat (Motive gibt es nur im Verstand). Der Sprach­gebrauch (Sprach­zentrum) be­zeich­net sie geschlechts­indif­ferent als Verkäufer.

Doppelformen werden dort fleißig im Munde geführt, wo die Macht ver­teilt wird: in der Politik, in der Staats­verwal­tung und in den Zen­tralen von Kon­zernen im Rahmen ihrer Com­pliance-Attitüde.“

Es gibt im Deutschen allerdings auch Fälle, wo das grammatikalische Geschlecht auf das natürliche Geschlecht hinweist. „Damen und Herren“, oder „Vater und Mutter“, oder „Onkel und Tante“ – Begriffe, die die Genderbefürworter ja gerne abschaffen wollen, wie sie zum Beispiel aus „Vater“ oder „Mutter“ „Elternteil 1“ und „Elternteil 2“ machen wollen. Sowie die allermeisten Begriffe mit „innen“ am Ende. Dies ist aber die Ausnahme, nicht die Regel.

Wenn heute eine Frau, wie zum Beispiel Gabriele Krone-Schmalz, sagt: „Ich bin Journalist“, klingt das in manchen Ohren seltsam, weil sich durch diese pausenlose „innen“-Propaganda unsere Wahrnehmung verändert hat. Dabei ist es völlig richtig was sie sagt, beschreibt sie doch ihren Beruf, nicht ihr Geschlecht. Tatsächlich aber ist das Maskulinum sprachhistorisch gesehen gar nicht männlich. Explizit gemeint sind weder Männer noch Frauen. Nehmen wir als Beispiel „Lehrer“. Das sind nicht automatisch Männer, sondern „lehrende Personen“, denn das Wortgeschlecht (Genus) ist nicht deckungsgleich mit dem natürlichen Geschlecht (Sexus).

Das „generische Maskulinum“ ist üblicher Sprachgebrauch

Das war übrigens auch einer der Gründe, warum die 80-jährige Sparkassenkundin Marlies Krämer vor dem Bundesgerichtshof mit der Forderung scheiterte, dass Bankformulare neben der Form für alle Geschlechter auch die weibliche Form enthalten müssten. Der BGH entschied, dass das generische Maskulinum im Sprachgebrauch üblich sei und keine Geringschätzung gegenüber Menschen anderen Geschlechts zum Ausdruck bringe. Um dieses Urteil zu umgehen, versuchen die Gender-Befürworter ja ständig in den meisten Medien die „innen“-Mode zu etablieren. Damit könnte man das Argument mit dem üblichen Sprachgebrauch umgehen und behaupten, dass fast alle Politiker und Medien diese unsägliche Doppelung einsetzen. Und dann kann man endlich zum Endsieg ansetzen: Das sogenannte „generische Maskulinum“ als Bezeichnung für alle Geschlechter verschwinden lassen und die Lüge, dabei handele es sich ausschließlich um Männer, etablieren. Denn um nichts anderes geht es.

Sprachlich gesehen sind es in Wahrheit eigentlich die Männer, denen eine eigene Bezeichnung fehlt und die somit diskriminiert werden. „Lehrer“ sind lehrende Personen jeden Geschlechts. „Lehrerinnen“ sind ausschließlich weibliche lehrende Personen. Und wie heißen männliche lehrende Personen? Es gibt sie nicht. Das Satire-Magazin Postillon hatte dazu einmal die Idee, für Männer eine eigene Bezeichnung einzuführen, um sie mit Frauen gleich zu stellen. Er schlug die Endung „er“ vor. Also zusätzlich zum Begriff „Lehrer“ der für alle Menschen gilt, egal welches Geschlecht sie haben und „Lehrerin“, welches ausschließlich weibliche Lehrer anspricht, wäre der Begriff „Lehrerer“ nötig, der ausschließlich männliche Lehrer meint.

Es gibt keinen Grund, das sogenannte generische Maskulinum abzuschaffen. Denn es beinhaltet alle Betroffenen, egal welches Geschlecht sie haben. Würde man die Lüge glauben, „Lehrer“ sei immer männlich und deshalb müsse man „Lehrerinnen und Lehrer“ sagen, ebnet man den Weg zu einer noch schlimmeren Sprachverhunzung (Zitat Elke Heidenreich), den Gendersternchen und ähnlichem Unsinn. Denn dann gilt auch das Argument, dass „Diverse“ nicht explizit angesprochen werden. Wohlgemerkt nur dann, wenn man die Lüge verbreitet, „Lehrer“ würde nur männliche Lehrer meinen.

Soll man also wegen einer Lüge eine wunderbare Eigenschaft unserer Sprache, alle Menschen in klarer und verständlicher Form zu beschreiben, egal welches Geschlecht sie haben oder sich einbilden, abschaffen? Ich denke nein. Und von mir aus braucht es auch keine „Lehrerer“. Ich kann mit diesem Vorteil, den ausschließlich Frauen haben, nämlich explizit mit dem Geschlecht angesprochen zu werden, ohne Neid und Missgunst gut leben.

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