Wegen Corona: Rentner wird von der Polizei aus Bibliothek abgeführt – weil er sich setzte

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In der Stadtbibliothek Sendling (Bild: Stadtbibliothek München)

Bescheuerte Corona-Regeln gibt es ja zuhauf, insbesondere in Bayern. Man erinnert sich sicher an die Vorschrift, dass man auf Parkbänken nicht sitzen durfte. Jetzt gab es wieder einen negativen Höhepunkt – fast wäre ich versucht zu sagen – natürlich in München. Das berichtete die Bild-Zeitung.

Die Stadtbibliothek München-Sendling bietet neben vielen Büchern auch die Möglichkeit an, einen der vier PCs zu nutzen, zum Beispiel zum Lesen von E-Mails. Diesen Service nahm auch ein 68-jähriger Rentner in Anspruch. Jetzt gibt es aber ein Problem: „Wegen Corona“ darf man vor dem Rechner nicht sitzen, sondern muss stehen oder knien. Für einen knapp 70-Jährigen ist das durchaus eine Zumutung, also besorgte sich der Rentner einen Stuhl und begann, seine Mails zu lesen.

Kurze Zeit später stand schon eine Bibliotheksangestellte vor dem älteren Herrn und forderte ihn und andere Nutzer auf, aufzustehen. Die anderen Besucher erhoben sich und schwupps! wurden ihnen die Stühle weggenommen. Der Rentner blieb sitzen, worauf die Angestellte postwendend die Polizei rief und der Rentner von vier Beamten aus der Bibliothek geführt wurde. Gegenüber der „Bild“ bestätigte die Polizei den Vorfall.

Die Begründung für dieses Vorgehen lieferte die Bibliotheks-Sprecherin Judith Stumptner gegenüber der „Bild“: „Wegen Corona“ wolle man „die Zahl der Anwesenden im Blick behalten“ und die „Verweildauer beschränken“. Dass der Zwang vor dem Rechner zu stehen oder zu knien insbesondere ältere Menschen diskriminiert, was solls. Die Stadtbibliothek diskriminiert die Menschen ja auch durch unleserliche Genderschrift.

Die Stadtbibliothek München-Sendling bewirbt sich auf ihrer Webseite übrigens wie folgt: „Auf drei Stockwerken lädt sie zum gemütlichen Verweilen und konzentrierten Arbeiten ein. Zahlreiche Arbeitsplätze und Internetanschlüsse inklusive WLAN machen die Bibliothek zudem zu einem attraktiven Lern- und Aufenthaltsort.“ „Gemütliches Verweilen“ im Stehen? Das verstehen wohl selbst diejenigen nicht, die verantwortlich für derartigen Unsinn sind.

Update vom 13.8.2021:
Mittlerweile hat die „Bild“ unter dem Titel „Aufstand gegen das Sitzverbot“ einige Münchner Politiker zu dem Sitzverbot in der Stadtbücherei München-Sendling befragt. Der Fraktionschef der CSU, Manuel Pretzl, sagte der Zeitung: „Die Regelung ist unsinnig und überzogen. Ich sehe auch keinen Mehrwert im Hinblick auf Corona-Schutzmaßnahmen. Das ist im Prinzip nur eine Schikane – vor allem älterer Mitbürger“. Sogar ein SPD-Politiker, dessen Partei in München den Oberbürgermeister stellt, will sich beim zuständigen Kulturreferat beschweren. Der SPD-Bundestagsabgeordneter Florian Post sagte: „Im Wirtshaus darf ich auch stundenlang sitzen – trotz Corona. Warum dann nicht in der Stadtbibliothek?“. Und Stadtrat Richard Progl von der Bayernpartei meinte: „Was sich dort abgespielt hat, ist vollkommen lächerlich! Das sind Methoden, bei denen man sich fragt, in welcher Zeit wir eigentlich leben.“

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