Das Aus für „A wie Anton“ oder „B wie Berta“ kommt aus ideologischen Gründen

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Bereits im Herbst 2020 begann das Deutsche Institut für Normung (DIN) an einer Änderung des Buchstabier-Alphabets (DIN 5009) zu arbeiten. Manch einer wunderte sich, warum man ein bewährtes System einfach umändern will. Denn derartige Änderungen kosten nicht nur Geld, sondern auch Gewohnheiten müssen umgelernt werden.

Angestoßen hat das Ganze ein gewisser Michael Blume. Der CDU-Politiker ist Antisemitismusbeauftragter in Baden-Württemberg. Sein Problem mit dem bisherigen Buchstaben-Alphabet ist, dass die Nazis 1934 jüdische Namen aus der Liste entfernt hatten. So wurde damals aus David Dora, aus Nathan Nordpol und aus Samuel Siegfried. Das berichtete der Berliner Kurier. Die Süddeutsche Zeitung schießt, was dieses Thema angeht, den Vogel ab. Sie schreibt: „Lange wurde in Deutschland nationalsozialistisch buchstabiert, nun wird erneut die „DIN 5009″ überarbeitet“. 

Wenn das das einzige Problem gewesen wäre, hätte man einfach die entsprechenden Namen wieder umbenannt. Schnell, kostengünstig und schmerzlos. Aber in der heutigen Zeit geht es natürlich um viel mehr: Die meisten Wörter im Buchstabieralphabet sind bisher Vornamen. Und zwar 16 Männernamen, aber nur sechs Namen von Frauen. Das DIN meinte dazu – politisch korrekt natürlich – „Das entspricht nicht der heutigen Lebensrealität“. Auch könne man nicht alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen „geschlechtergerecht ausgewogen“ darstellen. Also kam man auf die Idee, Städtenamen zu nehmen. Dass sich die Städte, die nicht berücksichtigt werden, nun auch diskriminiert fühlen könnten, was soll’s.

Um Diskriminierungsvorwürfe im Keim zu ersticken, hatte man die glorreiche Idee, Städte zu nehmen, die nur einen Buchstaben im Autokennzeichen haben. Außer V wie Vogtland, denn das ist eine Region und keine Stadt. Nach derzeitigem Stand werden allerdings nicht alle Bundesländer berücksichtigt. Sieben Städte kommen aus Nordrhein-Westfalen, dahinter folgt Bayern mit vier Städten. Das Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt gehen nach derzeitigem Stand allerdings leer aus. Das wird spannend, wenn sich Ministerpräsidenten oder irgendwelche Beauftragte dieser Bundesländer benachteiligt fühlen und „Diskriminierung!“ rufen.

Die „Bild-Zeitung“ schreibt über das neue Buchstabieralphabet: „Genderwahn – Jetzt sollen wir sogar das Alphabet neu buchstabieren“. Das Blatt zitiert die Soziologie-Professorin Ulrike Ackermann damit, dass das Ganze eine „absurde Sprachreinigung sei: Und weiter: „Die Menschen sollen umerzogen werden“.

Was durchaus interessant ist, ist sich die Person Michael Blume genauer anzusehen. Bisher fiel er hauptsächlich dadurch auf, dass er ständig erzählte, dass er als Christ mit einer muslimischen Frau verheiratet ist und dass er vor einer „Terrorgefahr durch Querdenker“ warnte, wie das News-Portal Watson berichtete. Aber das wäre natürlich etwas wenig für einen Antisemitismus-Beauftragten, der sicher nicht schlecht verdient. Also hetzt er auch gegen Politiker, die sich aus für sie wichtigen Gründen (noch) nicht gegen Corona impfen lassen wollten. Auf den Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger bezogen, sagte er gegenüber Watson: „Ich würde Herrn Aiwanger dringend dazu aufrufen, dass er sich als stellvertretender Ministerpräsident entweder zur Wissenschaft bekennt – oder Konsequenzen für sich zieht. Ein öffentliches Amt sollte in Deutschland nicht mit Wissenschaftsleugnung vereinbar sein“. Weiter meinte er, Aiwanger sollte wenigstens damit aufhören, von Impfnebenwirkungen zu sprechen, die wissenschaftlich nicht nachweisbar sind. Wenn Blume damit behauptet, es gäbe keine Impfnebenwirkungen, so ist er es, der Wissenschaftsleugnung betreibt. Selbst das RKI bestätigt „leichte Fälle“ von Impfnebenwirkungen (Impfreaktionen), und außerdem, wenn auch in „sehr seltenen Fällen“, auch „schwerwiegende sogenannte unerwünschte Arzneimittelwirkungen“. Auch „Impfschäden“ schließt das RKI nicht aus.

Aiwanger hatte sich gegenüber dem Bayerischen Rundfunk wie folgt geäußert: Er sei noch nicht geimpft, und lasse das Impfen auf sich „zukommen“. Und weiter: „Ich muss es erstmal nicht haben. Ich bin kein Impfgegner, aber auch kein Impf-Euphoriker“. Aiwanger hält es für wichtig, dass Impfen freiwillig bleiben müsse. Ähnlich sieht es übrigens auch Friedrich Straetmanns, Richter am Sozialgericht Detmold. Er bezeichnete eine Impfpflicht gegenüber RT Deutsch als „verfassungsrechtlich bedenklich“.

Henryk M. Broder geht in seiner Beurteilung Blumes in der Achse des Guten noch einen Schritt weiter. Er sagt über den CDU-Politiker, für ihn sei Blume ein „Uri Geller der Antisemitismusforschung“, weil Blume mit Fakten zur Antisemitismusforschung so umgehe wie Geller mit Gabeln und Löffeln.

Doch zurück zur Buchstabiertafel. Gegenüber den Stuttgarter Nachrichten sagte Julian Pinnig vom DIN: „Wir sind bei der Überarbeitung der DIN 5009 im Plan und rechnen mit einer Veröffentlichung des Entwurfs im dritten Quartal des Jahres“. Ein gutes Dutzend „Experten“ aus aus Bildung und Ausbildung, von Versicherungen oder Postunternehmen befasse sich derzeit mit den Bezeichnungen für die Buchstaben. Man darf gespannt sein, was bei so vielen „Experten“ schlussendlich bei der neuen DIN 5009 heraus kommen wird.

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