Kinderpornografie? Ehemaliges Baby-Model zieht gegen die Band Nirvana vor Gericht

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Letzte Änderung des Artikels am 26. August 2021 von Aranita

Nur die wenigsten Menschen werden wahrscheinlich Spencer Elden kennen, aber die meisten haben wahrscheinlich schon sein Bild gesehen: Ziert er doch das Cover eines der mit 30 Millionen Exemplaren meistverkauften Musikalben aller Zeiten: „Nevermind“ von Nirvana.

Vier Monate war der Junge alt, als das Photoshooting mit ihm durchgeführt wurde. Das Cover zeigt Elden in einem Schwimmbad. Dort greift er nach einem Dollarschein, der vor ihm an einer Angelschnur baumelt. Das Bild wurde bisher als antikapitalistisches Statement verstanden. Heute, 30 Jahre später, verklagte das ehemalige KIndermodel 15 beteiligte Personen vor dem Bundesgericht in Los Angeles wegen Kinderpornographie, da er auf dem Cover nackt zu sehen ist. Das berichtete unter anderem der Sender BBC.

Beim Photoshooting im Jahre 1990 hatte der Fotograf Kirk Weddle den damals viermonatigen Spencer Elden splitternackt ins Wasser geworfen. Das Bild entstand in einem Schwimmbad in Los Angeles im Stadtteil Pasadena. Obwohl die Foto eigens für die Platte inszeniert wurde, soll die Familie je nach Medienberichten nur 250 Dollar oder gar nichts dafür bekommen haben. Angeblich haben die Eltern Elders auch keine Freigabe unterschrieben, deshalb sei das Bild widerrechtlich verwendet worden.

Verklagt wurden unter anderem die noch lebenden Band-Mitglieder, Cobains Witwe Courtney Love, das Plattenlabel und die Gestalter des Albums. Elden begründete die Klage damit, dass seine Identität und sein richtiger Name für immer mit der kommerziellen sexuellen Ausbeutung verbunden sei, die er als Minderjähriger erlebt habe. Das Ergebnis dieses „Übergriffs“ sei bis heute weltweit verbreitet und verkauft worden. Dadurch habe er „lebenslange Schäden erlitten“, einschließlich „extremer und dauerhafter emotionaler Belastung“ sowie „Beeinträchtigung seiner normalen Entwicklung und seines Bildungsfortschritts“. Auch habe er sich deshalb in „medizinische und psychologische Behandlung“begeben müssen.

Dadurch, dass er auf dem Bild nach einem Dollarschein greift, würde der Eindruck enstehen, Elden sei ein „Sexarbeiter“. Allerdings wurde der Dollarschein erst nachträglich in das Bild einmontiert. Grund für diese Behauptung dürfte sein, dass nicht-sexualisierte Fotos von Säuglingen US-Recht im Allgemeinen nicht als Kinderpornografie gelten. Durch den Einwand mit dem Dollarschein legen die Anwälte Eldens das Bild als „Kinderpornographie“ aus. Die Anwälte führten weiter aus, man hätte den Eltern zugesichert, dass die Genitalien des Jungen durch einen Aufkleber bedeckt werden sollten, was nicht geschehen sei. Angeblich soll Kurt Cobain gesagt haben, er würde einen Aufkleber nur akzeptieren, wenn auf ihm „Wenn Sie sich daran stören, müssen Sie ein heimlicher Pädophiler sein.“ stehen würde.

Elden fordert von jedem der 15 Angeklagten einen Schadensersatz in Höhe von mindestens 150.000 US-Dollar (knapp 130.000 Euro) oder einen unbestimmten Schadenersatz, der bei der Verhandlung festgelegt werden soll.

Ob die seelischen Schäden tatsächlich der Wahrheit entsprechen, wird von manchen Beobachtern durchaus bezweifelt. Immerhin hat Elden hat das Albumcover sowohl als Teenager als auch als Erwachsener mehrmals neu gestaltet, dann allerdings in Badehosen, und zwar anlässlich des 10., 20. und 25. Geburtstags von Nevermind. Laut BBC sagte Elden dem Guardian vor ein paar Jahren, „Es war immer eine positive Sache und hat mir Türen geöffnet“. Und weiter: „Ich bin jetzt 23 und Künstler und diese Geschichte gab mir die Möglichkeit, fünf Jahre lang mit Shepard Fairey zu arbeiten, was eine großartige Erfahrung war. Er ist ein großer Musikkenner: Als er hörte, dass ich das Nirvana-Baby bin, fand er das echt cool“.

Im Gespräch mit dem Guardian im Jahre 2019 sagte Kirk Weddle, der das Coverphoto photographiert hatte, er stehe immer noch in Kontakt mit Elden und räumte ein, dass das ehemalige Baby-Model „Probleme mit dem Bild“ habe. Grund dafür seien aber weniger seelische Ursachen wie in der Klage erwähnt, sondern Elden habe das Gefühl, dass „jeder damit Geld verdient hat, nur er nicht. Aber es sind immer nur die Plattenfirmen, die das Geld einstreichen“.

Laut BBC haben Vertreter von Nirvana und ihren Plattenlabels noch nicht auf die Vorwürfe reagiert.Sollte Elden nach 30 Jahren mit seiner Klage Erfolg haben, dürften sich zumindest seine Sorgen um ein Honorar erledigt haben, je nach dem, wie viel Geld ihm das Gericht im Falle einer erfolgreichen Klage zuspricht.

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