Relotius lebt weiter oder die Hetze des Spiegel gegen Amazons „New World“

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Letzte Änderung des Artikels am 29. August 2021 von Aranita

Ende September 2021 soll endlich das neue Multiuser-Abenteuerspiel „New World“ von Amazon Games erscheinen. Eine Rezension des Spieles habe ich übrigens in diesem Artikel geschrieben. Dominik Schott, der im Spiegel und bei anderen Magazinen häufig über Computerspiele berichtet, lässt sich allerdings nicht wie bei das bei den meisten anderen Rezensionen der Fall ist, darauf ein, wie man das Spiel angeht, wie das Spiel aufgebaut ist, für wen es sich eignet oder was man sonst von einer Rezension erwartet. Er titelt: „Wie Amazon alte Kolonialfantasien zum Videospiel macht“. Und diese übertriebene politische Korrektheit, die wenig mit Fakten zu tun hat, zieht sich durch den gesamten Artikel.

Schott schreibt, in „New World“ gäbe es „problematische Bezüge zur Kolonialgeschichte Nordamerikas“ – und nicht nur das, er behauptet, dass Amazon diese „offenbar zu verschweigen versucht“. Um zu beweisen, dass sich im Spiel „weitere Bezüge auf die reale Kolonialgeschichte“ befinden würden, verweist er auf einen Artikel von MeinMMO.de, der von einem Leak einer sehr frühen Version des Spieles berichtet. In diesem Leak findet man auf einer Landkarte eine Stadt mit dem Namen Jamestown. Schott gibt hier gleich Geschichtsunterricht: „So hieß auch die erste britische Siedlung in Nordamerika“. Übrigens: Wenn Spieleentwickler in einem sehr frühem Stadium eines Spieles mit der Entwicklung beginnen, wo man sich noch nicht klar ist wie Gebiete und Orte heißen, nimmt man irgendwelche Dummy-Namen. Amerikaner nehmen dann durchaus auch einmal „Jamestown“.

Schott erkennt dann richtig, dass sich „viele Entwicklerteams, die fremdartige Welten erschaffen, immer wieder von realen Landschaften, Architekturstilen, Moden und vielem mehr inspirieren lassen“. Was für eine Erkenntnis. Die übrigens fast so neu ist wie die Tatsache, dass in einem Multiuserspiel mehrere Personen zusammen oder gegeneinander spielen. Dann aber behauptet er, „New World“ würde in ein „Fettnäpfchen tappen“. Grund für diese Behauptung sei die Tatsache, dass es „keine indigene Bevölkerung in der neuen Welt“ gäbe. Statt diese Erkenntnis als Fakt dafür zu nehmen, dass es im Spiel eben um eine Phantasiewelt und nicht um die wirkliche Kolonialisierung Amerikas geht, schwurbelt der Autor weiter an seinen Verschwörungstheorien.

Häufig wird in Schotts Artikel der Historiker Felix Zimmermann zitiert. Zimmermann forscht, wie er sperrig auf seiner Webseite schreibt, „zu digitalen Spielen als Teil erlebnisorientierter Geschichtskulturen sowie zum atmosphärischen und erinnerungskulturellen Potential des Mediums, unter anderem in Bezug auf Holocaust und Kolonialismus“. „Kolonialismus“, wunderbar, das passt ja zu Schotts Thesen.

Dass es in „New World“ keinen Kampf gegen einheimische Indianer gibt, die im Spiel ja auch gar nicht existieren, erklärt Zimmermann mit der „tradierten Behauptung“ der sogenannten „Terra Nullius“, Der Historiker erklärt auch, was er damit meint: „Man rechtfertigte die Kolonialbestrebungen, indem man behauptete, dass dort doch sowieso niemand lebte und alles unbewohnt sei“. Soweit so gut, aber jetzt wird es abenteuerlich. Schott behauptet, dass man in „New World“ genau „dieses Argument nutze“, damit man die Spieler nicht damit konfrontieren müsse, „eine indigene Zivilbevölkerung nach und nach aus der Spielwelt zu drängen“.

Dass die feindlichen Bewohner der übernatürlichen Insel Aeternum, wie das Gebiet in „New World“ heißt, Piraten, Untote, Geister und ähnliches sind, die keinerlei Ähnlichkeit mit Indianern haben, wird unterschlagen und wie so häufig bei politisch korrekter Ideologie einfach ins Gegenteil verkehrt. So hätte sich Zimmermann „einen bewussteren Umgang mit Indigenen als eigene Kulturgruppe im Spiel gewünscht“. Gleichzeitig hätte man die Indianer, die es im Spiel ja gar nicht gibt, weil das Spiel nicht von der Kolonisation Amerikas handelt, im Spiel auftauchen lassen sollen. Zimmermann wörtlich: „Man kann ja Alternativen anbieten: Statt sie zu töten, mit ihnen und ihren Dörfern zu handeln oder sonst wie zu interagieren. Aber sie komplett auszulassen, halte ich für problematisch.“

Dass „New World“ ein Spiel ohne Bezug zur tatsächlichen Geschichte Amerikas ist, leugnet Schott. Denn wenn er diese Tatsache akzeptieren würde, müsste er seinen ganzen Artikel in die Tonne treten. So schließt er politisch korrekt mit dem moralisch tragenden Satz: „Im Fall von »New World« lernen und wiederholen Spieler unbewusst oder bewusst die gleichen Argumente, mit denen vor 300 Jahren die Kolonialisierung Nordamerikas gerechtfertigt wurde“. Übrigens: Vor etwa einem Jahr hat Schott noch den Unterschied zwischen Spiel und Realität erkannt. Damals schrieb er noch unter dem Titel „Zehn Strategie-Spiele für jeden Spielertyp„: „Die Welt zu erobern, macht Spaß – zumindest in der virtuellen Welt“. Immerhin hat er sich noch nicht politisch korrekt für eine Cancel Culture ausgesprochen und gefordert, Amazons „New World“ zu verbieten. Aber noch ist ja nicht aller Tage Abend.

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