Discounter des guten Gewissens: Greenpeace wird 50

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Am Montag, den 30. August 2021, feierte der Discounter des guten Gewissens, Greenpeace, im Ozeaneum des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund sein 50-jähriges Bestehen.

Nicht nur der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD) nahm am Festakt teil und lobte den Konzern mit den Worten: „Greenpeace hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Notwendigkeit, unsere Lebensgrundlagen zu schützen, im Bewusstsein der Menschen angekommen ist“.

Auch Bundeskanzler Angela Merkel hatte Zeit für diese Feier. „Beharrlich und streitbar, überzeugt und überzeugend“ lobte sie den Spendensammel-Konzern. Unter anderem erinnerte sie an die „geschickten Proteste“ von Greenpeace, wie der NDR berichtete. Ob Merkel mit „geschickter Protest“ die Aktion mit einem Motorschirm bei einem Fußballspiel im Rahmen der EM in München meinte, bei der im Juni 2021 zwei Menschen verletzt wurden und es nichts anderes als Glück war, dass nicht mehr passiert ist?

Explizit erwähnte Merkel die Aktion von Greenpeace im Jahre 1995, als die Organisation die Öl-Plattform „Brent Spar“ besetzte, um gegen deren Versenkung zu protestieren. Merkel hob besonders hervor, dass Greenpeace damals zum Boykott von Shell-Tankstellen aufgerufen hatte. So habe sich jeder Bürger am Protest beteiligen können, ohne selbst allzu große Einschränkungen in Kauf nehmen zu müssen, sagte sie dem NDR.

Auch wenn der Regenbogen, das Markenzeichen von Greenpeace, heute eher mit allen möglichen Sexpraktiken und Manuel Neuer, dem Fußball-Torwart von „Die Mannschaft“ in Zusammenhang gebracht wird als mit einer angeblichen Umweltschutzorganisation, die Spenden fließen massenhaft in die Kassen des Konzerns. Laut dem Jahresbericht aus dem Jahre 2019 nahm Greenpeace Deutschland 68,3 Millionen Euro aus Spendengeldern ein. Das RND, dessen größte Kommanditistin die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft ist, also das Medienbeteiligungsunternehmen der SPD, berichtet sogar von 71 Millionen Euro 2019 und einem Gewinn von 80,3 Millionen im Jahr 2020. Davon kann man den drei Geschäftsführen locker ihre je 120.000 Euro Jahresgehalt bezahlen. Und auch die etwa 250 Angestellten finanzieren, die sicherlich nur einen Bruchteil dessen verdienen, was die Geschäftsführer einstreichen.

Der Trick von Greenpeace ist es, dass sie den Menschen das Gefühl verkaufen, auf der richtigen Seite zu stehen und für die richtige Ideologie zu spenden. Die Menschen müssen selbst nichts tun, außer zu spenden. Dieser durchaus perfide Trick, sich durch Spenden ein gutes Gewissen zu erkaufen, funktionierte nicht nur beim Ablasshandel durch die Kirche, er funktioniert offensichtlich bis heute.

Wer meint, Greenpeace sei ein demokratischer Verein, der irrt. Lediglich 40 stimmberechtigte Mitglieder bestimmen die Geschicke von Greenpeace Deutschland. Diese Mitglieder setzen sich aus zehn Mitarbeitern von Greenpeace Deutschland, zehn Mitarbeitern von ausländischen Greenpeace-Büros, zehn Personen aus dem öffentlichen Leben, sowie zehn ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen. Die Fördermitglieder dienen dabei nur einem Zweck: Geld an den Konzern zu spenden. Ein Mitspracherecht oder gar Stimmrecht haben die mehr als 600.000 Fördermitglieder von Greenpeace Deutschland nicht. Greenpeace begründet diese undemokratische Vereinsführung damit, dass man dadurch eine höhere Effizienz erzielen könne. Außerdem könne man damit verhindern, dass Industrielobbyisten den gemeinnützig anerkannten, eingetragener Verein per Stimmenmehrheit übernehmen könnten. Wegen der häufig drastischen Aktionen, die oft auch rechtswidrig waren, wurde dem Verein in einigen Ländern bereits die Gemeinnützigkeit aberkannt. Nicht so in Deutschland. Dort darf man mit der richtigen Ideologie offensichtlich ziemlich viel. Auch unbeteiligte Menschen verletzen.

Auf den Vorwurf, Greenpeace würde häufig Gesetze übertreten, sagte Martin Kaiser, einer der Geschäftsführer von Greenpeace laut RND (diskriminierende Genderschreibe entfernt), „Aktivisten überschreiten nicht bewusst Gesetze, sondern deren Motivation ist: Wir treten ein für höherwertiges Recht und die Umsetzung dieses Rechts“. Mit anderen Worten: Greenpeace steht also auf dem Standpunkt, ihre Auffassung von Recht stehe über den Gesetzen eines Landes. Eine durchaus spannende Aussage von einem Verein, der in Deutschland als gemeinnützig anerkannt ist.

Auf der Webseite „Wälder in Deutschland“ hat man sich eingehend mit Greenpeace beschäftigt. Dort ging man auch darauf ein, wie der gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk, in diesem Fall das ZDF, mit Greenpeace gemeinsame Sache macht. Man wies auf den nicht als Werbung gekennzeichneten Beitrag „Streit um Polens Urwald“ hin, der am 6. Juni 2017 im ZDF-Nachrichtenmagazin heute plus ausgestrahlt wurde. Wörtlich schrieb man auf der Webseite in einem Artikel über Greenpeace:

Der Beitrag ist eine lupenreine PR-Veranstaltung für Greenpeace. Auf den ersten Blick wird eine Aktion des gewaltfreien Widerstands gezeigt: Unerschrockene und mutige Greenpeace-Aktivisten blockieren einen Harvester und stoppen den Kahlschlag im Urwald. Auf den zweiten Blick entpuppt sich die angebliche Aktion als eine Inszenierung für das Fernsehen: Der Harvester wird nicht etwa durch eine Sitzblockade oder eine Besetzung am Baumfällen gehindert; er wurde dort im Wald einfach nur abgestellt. Forstarbeiter oder Polizeibeamte sind nirgendwo zu sehen. Das Fazit am Ende des Beitrags führt in die Irre: „Hier haben die Aktivisten das schwere Gerät noch einmal aufhalten können.“ Das ist Fake-News.

Kritik an Greenpeace gibt es nicht wenig. So wurde im Jahre 2014 bekannt, dass dem Konzern durch Devisentermingeschäfte eines Mitarbeiters der Greenpeace-Zentrale in Amsterdam Verluste in Höhe von insgesamt 3,8 Millionen Euro entstanden waren. Ein Sprecher meinte damals, der Verlust sei „nicht existenzbedrohend“ und aktuelle Kampagnen seien nicht gefährdet. Auch haben sich einige der ursprünglichen Gründer mittlerweile vom Konzern abgewandt. Einer davon ist der ehemalige Präsident Patrick Moore. Er sagte: „Greenpeace hat sich von Logik und Wissenschaft verabschiedet. Die Kampagnenprofis arbeiten mit emotionalen Bildern. Für viele Menschen sieht ein Tulpenfeld viel besser aus als ein frischer Kahlschlag, wo nur noch hässliche Baumstümpfe zu sehen sind. Viele denken leider nicht so weit, dass der Wald wieder nachwächst und dass die Forstindustrie auch ein starkes ökonomisches Interesse daran hat, dass er nachwächst. Die biologische Vielfalt eines Tulpenfeldes tendiert jedoch gegen Null.“

Auch eines der ersten Mitglieder von Greenpeace, Paul Watson, verließ die Organisation im Streit und gründete die Sea Shepherd Conservation Society. Er kritisierte, dass sich Greenpeace zur größten „Wohlfühlorganisation der Welt“ entwickelt habe. Ein Geschäft, welches den Menschen nur ein gutes Gewissen verkaufe, könne er nicht unterstützen.

All dies hinderte weder Angela Merkel, noch Manuela Schwesig daran, Greenpeace bei seiner Geburtstagsfeier in den höchsten Tönen zu loben. Das erkannte auch der geschäftsführende Vorstand des Unternehmens, Martin Kaiser, und bedankte sich artig in der Sendung „NDR MV Live“ am Montagnachmittag: „Dass die Bundeskanzlerin von Deutschland heute hier die Festrede hält, ist für uns eine große Ehre“. Ob wegen dieser Werbung von Merkel die Euro-Zeichen in seinen Augen aufloderten, ist allerdings nicht bekannt.

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