Umfrage: Fast die Hälfte aller Deutschen fühlen sich unfrei

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Die Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR) hat eine EU-weite Untersuchung durchgeführt, die herausfinden sollte, wie frei sich die Menschen während Corona fühlen.

Das Ergebnis ist für Deutschland erschreckend. Nur elf Prozent der Befragten fühlen sich frei in ihren Entscheidungen, 35 Prozent fühlten sich „teilweise frei“ und fast die Hälfte aller Befragten, 49 Prozent, gaben an, sich „nicht frei“ zu fühlen. Deutschland befindet sich damit auf dem letzten Platz der befragten Länder.

An der Spitze der Umfrage liegen Ungarn und Spanien. In Ungarn fühlen sich 38 Prozent der Befragten frei und nur zwölf Prozent unfrei, in Spanien sind es 38 Prozent, die sich frei fühlen und elf Prozent gaben „unfrei“ an. Im EU-Durchschnitt liegt die Angabe „Ich fühle mich frei“ bei 22 Prozent, „unfrei“ gaben 27 Prozent an und „Teils frei, teils unfrei“ empfanden sich 48 Prozent.

Spannend ist auch die Frage, wie frei sich die Menschen im Jahre 2019 im Vergleich zu 2021 gefühlt haben. 2019 lag Deutschland noch auf dem vierten Platz mit 68 Prozent, die sich damals frei gefühlt hatten. Spitzenreiter waren 2019 Österreich (79 Prozent) und die Niederlande mit 78 Prozent. Knapp vor Deutschland lag noch Ungarn mit 69 Prozent. Insgesamt fühlten sich alle Befragten unfreier als vor zwei Jahren.

Zusätzlich wurden die Menschen in Deutschland gefragt, ob und welche direkten Auswirkungen von Corona, wie Krankheit oder wirtschaftliche Schäden, sie selbst oder nahe Bekannte erlebt hätten. Hierzu gaben 65 Prozent an, keine direkten Auswirkungen durch Corona erlebt zu haben. 23 Prozent sagten, sie seien durch Krankheit, Krankenhausaufenthalt oder Tod eines Angehörigen oder Freundes betroffen und 13 Prozent antworteten, sie seien wirtschaftlich durch ein geringeres Einkommen oder gar Jobverlust betroffen.

Unterschiedlich beantworteten die Menschen auch die Frage, wer ihrer Meinung nach Schuld an der Corona-Krise sei. In Deutschland sind etwas mehr als die Hälfte, 53 Prozent, der Meinung, Einzelpersonen seien Schuld an der Krise, 36 Prozent gaben Institutionen und Regierungen die Schuld. Mit 63 Prozent sind die Niederländer an der Spitze derer, die Einzelpersonen die Schuld geben, während 58 Prozent der Polen die Schuld bei Institutionen und Regierungen sehen.

Interessant ist auch die Auswertung der Frage, ob die Menschen den Motiven ihrer Regierungen bei den Corona-Einschränkungen und Ermächtigungen vertrauen. Am meisten vertrauen die Dänen (77 Prozent) und Schweden (76 Prozent) ihren Regierungen. Deutschland liegt mit 65 Prozent auf dem viertletzten Platz, nur Frankreich (56 Prozent), Bulgarien (50 Prozent) und Polen (38 Prozent) hatten ein schlechteres Ergebnis.

Die Umfrage wurde Ende Mai und Anfang Juni 2021 mit einer Gesamtstichprobe von 16.267 Befragten in zwölf EU-Ländern durchgeführt. Die Umfragen fanden sowohl online als auch per Telefon statt. Weitere Informationen, Tabellen und zusätzliche abgefragte Themen findet man auf der Webseite des ECFR in englischer Sprache.

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