Johnny Depp: „Niemand ist vor Cancel Culture sicher“

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Letzte Änderung des Artikels am 26. September 2021 von Aranita

Der US-Schauspieler Johnny Depp wurde am Abend des 22. September 2021 auf dem 69. Internationalen Filmfestival von San Sebastian mit dem Donostia-Ehrenpreis für seine Filmkarriere ausgezeichnet. Man würdigte Depp als „einen der talentiertesten und vielseitigsten Schauspieler des zeitgenössischen Kinos“.

Die Preisverleihung wurde von massiven Protesten begleitet. Hintergrund waren die Vorwürfe häuslicher Gewalt, die Amber Heard, die Ex-Frau des Schauspielers, Depp vorwirft. Seit Jahren dauert der Rechtsstreit zwischen dem einstigen Paar an. Spanische Frauenverbände bezeichneten deshalb die Vergabe des Preises als „vollkommen unangebracht“. Anders sieht es Festivaldirektor José Luis Rebordinos, der den Preis rechtfertigte. Er betonte, dass die Funktion des Festivals nicht darin bestehe, das Verhalten von Filmschaffenden zu beurteilen, „sondern jene Menschen zu würdigen, die einen außergewöhnlichen Beitrag zur Filmkunst geleistet haben“. Das berichtete unter anderem das Magazin Deadline.

Auf der obligatorischen Pressekonferenz im Vorfeld der Preisvergabe wurde Depp auf die Proteste angesprochen. Zwar versuchte der Veranstalter, die Pressevertreter an derartigen Fragen zu hindern, der Schauspieler selbst wollte aber antworten und tat das auch. Wörtlich sagte er laut verschiedenen Medien: „Als das alles begann, kamen die Schläge plötzlich von allen Seiten und du bist ihnen wehrlos ausgeliefert. Du weißt gar nicht, wie Dir geschieht“, erklärte Depp mit Blick auf die einseitigen Angriffe gegen ihn und die massiven Proteste in den sozialen Medien. Er sehe aber optimistisch in die Zukunft. „Doch wenn du die Wahrheit auf deiner Seite hast, kann dir nichts passieren“, so Depp weiter.

Der Hollywoodstar betonte, dass viele Bewegungen zwar aus bester Absicht entstanden seien, mittlerweile allerdings völlig außer Kontrolle geraten sind. Depp spielte dabei, ohne eine Bewegung explizit zu nennen, auf die Vorverurteilungen und auch die daraus entstehende Cancel Culture an, die nichts mit Fakten und Rechtsstaatlichkeit zu tun hätten. „Niemand von uns ist mehr sicher. Wenn irgend jemand etwas über dich sagt, steht es im Raum und du bist dem ohne großen Verteidigungsspielraum ausgeliefert. Ein einziger Satz gegen dich reicht aus. Und du hast keine Möglichkeit zur Verteidigung“. Dann forderte er die Menschen auf, aufzustehen wenn es Unrecht gäbe. „Bleibt nicht sitzen, wenn die angegriffene Person euch braucht!“

Auch Spaniens Kulturminister Miquel Iceta betonte, dass man die Unschuldsvermutung beachten müsse. „Johnny Depp ist nicht formell angeklagt, weshalb ich es für ungerecht halte, ihn diesen Preis aufgrund von Vorwürfen nicht zu geben“, so der Minister. Iceta führte weiter aus, wenn man zum Beispiel bei Pablo Picasso dessen Umgang mit Frauen in den Vordergrund stellen würde und nicht seine Kunst, dürfte man eigentlich auch nicht mehr dessen Jahrestage oder Ausstellungen feiern. Man solle wieder das künstlerisches Talent und das Werk eines Künstlers feiern, auch man menschliche Eigenschaften und Werte eines Künstlers kritisiere.

Johnny Depp spielte in mehr als 80 Filmen und fünf Serien. Außerdem war er in mehreren Musikvideos zu sehen. Das bekannteste ist wohl das mit Tom Petty And The Heartbreakers und dem Song „Into the Great Wide Open“.


International bekannt wurde der Schauspieler Ende der 1980er-Jahre durch die Fernsehserie „21 Jump Street“. Weltberühmt machten ihn vor allem die Darstellungen des exzentrischen Kapitän Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“. „Ich fühle mich sehr wohl in Rollen, in denen ich mich hinter Masken und in Kostümen verstecken kann“, erklärte Depp in San Sebastian.

Für seine Rolle in Tim Burtons Fantasy-Tragikomödie „Edward mit den Scherenhänden“ wurde er für den Golden Globe nominiert. Diese Auszeichnung als bester Schauspieler erhielt er schließlich 2008 für seine Rolle in „Sweeney Todd“. Er war ebenfalls in Tim Burtons „Charlie und die Schokoladenfabrik“ sowie „Sleepy Hollow“ und Roman Polanskis Mystery-Thriller „Die neun Pforten“ zu sehen. Für seine Darstellungen meist ungewöhnlicher und extravaganter Figuren wurde er dreimal für einen Oscar nominiert. Im November 1999 bekam Depp einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood.

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