Kein Bundesverdienstkreuz wegen falscher Meinung

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Letzte Änderung des Artikels am 6. Oktober 2021 von Aranita

Eigentlich sollte der Brandenburger Künstler Tobias Morgenstern das Bundesverdienstkreuz für Kulturschaffende erhalten. Wegen angeblicher Kontakte des Künstlers in die sogenannte „Querdenker-Szene“ hat Bundespräsident Steinmeier (SPD) nun die Verleihung abgesagt. Das berichtete der RBB.

Morgenstern sollte ursprünglich für seine Arbeit beim brandenburgischen „Theater am Rand“ ausgezeichnet werden. Zumindest erklärte dies eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Allerdings seien „konkrete Hinweise“, auf die man nicht näher einging, bekanntgeworden, dass Morgenstern der Querdenker-Szene angehöre.

Morgenstern sagte laut rbb, er nehme die Absage des Preises gelassen. Man habe ihm mitgeteilt, dass die Absage im Zusammenhang mit kritischen Äußerungen unter anderem auf seinem Facebook-Profil vor eineinhalb Jahren stehen würde. Zugleich sagte er: „Wir als Gesellschaft haben wahrscheinlich ein Problem im Moment, unterschiedliche, vor allem kritische Auffassungen zum Zeitgeschehen gelten zu lassen.“

Es gab aber nicht nur Jubel über die Missachtung der Meinungsfreiheit durch den Bundespräsidenten. Landrat Gernot Schmidt (SPD) kritisierte die Entscheidung aus dem Bundespräsidialamt mit scharfen Worten: „Ich finde es schlimm, wenn wir solche Positionen nicht demokratisch ertragen können. Ich bin der Meinung, wir müssen miteinander respektvoll umgehen und ich bin auch der Meinung, dass Demokratie Meinungsvielfalt ertragen muss.“

Auch die Geschäftsführerin des Theaters am Rand, Almut Undisz, äußerte sich kritisch zu Steinmeiers Entscheidung: „Wir nehmen das schon als Schlag gegen das ganze Theater wahr“, sagte Undisz gegenüber dem rbb. „Herr Morgenstern ist schon immer aufgefallen durch ein sehr kritisches Denken, aber das hat uns auch Dinge beschert, die ich persönlich sehr zu schätzen weiß.“

Bei der Verleihung der Bundesverdienstkreuze, die unter anderem an Menschen verliehen wurden, die sich während der Corona-Politik in besonderer Weise um Kunst und Kultur verdient gemacht hatten, faselte Steinmeiner Textbausteine wie „Die Pandemie hat uns bewusst gemacht, welche Bedeutung, welchen Wert Kunst und Kultur für uns haben – für das Leben jedes und jeder Einzelnen, aber auch für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie“. Wurden vielleicht deshalb die allermeisten Künstler als „nicht systemrelevant“ eingestuft und müssen bis heute unter den Folgen der einseitigen Corona-Politik leiden?

Kunst hat für Steinmeier offensichtlich nur dann eine Bedeutung, wenn die Preisträger die „richtige“ Meinung haben. Da wirken diese Worte des Bundespräsidenten wie ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich eine Meinung jenseits des politisch Vorgegebenen leisten: „Diese Ordensveranstaltung soll deshalb auch ein Zeichen sein: Wir dürfen nicht zulassen, dass einzelne Zweige unserer Kultur nach der Corona-Krise verdorren oder absterben.“

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