Google als politischer Zensor

Google zensiert politisch

Google zensiert politisch

Kürzlich berichtete die „Welt“ unter dem Titel: „Google zeigt US-Verschwörungsseite nicht mehr an“, dass Google bestimmte Seiten, fast ausschließlich dem Rechten Spektrum zugehörig, nicht mehr listen würde. Es gab ein paar Kommentare dazu, die einen fanden es gut, die anderen schlecht, man hackte aufeinander herum – nichts Neues also. Der Blogger Hadmut Danisch sprach von einem „massiven Paradigmenwechsel von Google“. Er begründete das auch mit den Worten: „Denn damit sind sie kein Suchindex mehr, sondern ein politisch-redaktioneller Dienst und damit der Einstieg in eine zentrale Zensur“. Mit zweiterem hat er Recht, mit ersterem nicht. Denn die Firma Google filtert schon fast seit ihren Anfangszeiten nach politischen Kriterien.

Google weist auf Zensur hin

Google weist auf Zensur hin

Ich erinnere mich noch gut, als Google, um in China weiter präsent sein zu können, Suchanfragen aus China zensierte. 2010 zog sich Google dann aus China zurück und lenkte alle Suchanfragen auf Google Hongkong. Allerdings wurde auch dort zensiert. Man muss aber gar nicht so weit weg gehen, auch in Deutschland zensiert Google. Mancher hat vielleicht schon Meldungen wie im Bild rechts gesehen, wenn er eine Suchanfrage an Google geschickt hat. Wörtlich steht dort: „Als Reaktion auf ein rechtliches Ersuchen, das an Google gestellt wurde, haben wir 10 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt. Weitere Informationen über das Ersuchen finden Sie unter LumenDatabase.org.“

Klickt man auf die verlinkte Seite, findet man eine Begründung für die Zensur, zum Beispiel dies: „Ihre Suche hätte in den Suchergebnissen einen Treffer generiert, den wir Ihnen nicht anzeigen, da uns von einer zuständigen Stelle in Deutschland mitgeteilt wurde, dass die entsprechende URL unrechtmäßig ist.“

Damit kommen wir wieder zu Danischs zweitem Satz, den mit der „zentralen Zensur“. Wie blödsinnig und kontraproduktiv die Zensur von Meinungen ist, möchte ich an einem Beispiel zeigen: Eines meiner Kinder, als es im Teeniealter war, kam von der Schule nach Hause und erzählte mir, auf dem Schulhof hätten nette, gut angezogene Herren Zettel verteilt, auf denen Werbung für Jugendfreizeiten gemacht wurde. Lagerfeuerromantik, Gitarren spielen, gemeinsam in der Natur wandern – ein Traum für Stadtkinder. Ich hab mir das Ganze dann genauer angesehen und habe herausgefunden, dass dieses Angebot von einer Unterorganisation einer Ultrarechten Partei ausgegangen war. In der Schule hatten die Kinder wohl auch darüber gesprochen und mein Kind fragte mich, was denn so schlimm an diesen Neonazis sei.

Ich habe mein Kind daraufhin mit zu meinem Rechner genommen und ihm die Webseiten von Ernst Zündel gezeigt. Zündel ist ein Holocaustleugner und seine Webseite, die sich in Kanada befindet (zumindest war das damals so), darf aus Deutschland nicht aufgerufen werden, auch nicht von Erwachsenen. Google zeigt bei Suchanfragen diese Webseite genau so wenig an wie zum Beispiel die deutsche Wikipedia. Auf Zündels Webseiten waren damals noch weitere wirre Dinge gestanden, ich erinnere mich nicht mehr genau was das war und bei einem kurzen Check der Seite fand ich diese Statements nicht mehr. Mein Kind hat sich die Statements damals angesehen und irgendwann gemeint, „das ist doch alles Blödsinn was der da schreibt“. Diese Erkenntnis aus eigenem Erfahren wirkt weitaus nachhaltiger, als wenn ich gesagt hätte: „Das sind Neonazis und Ultrarechte, da gehst du nicht hin“. Mein Kind war seither von politischem Extremismus jeder Art und Richtung kuriert.

Früher, als Google noch nicht der absolute Monopolist war, konnte man wählen zwischen reinen Suchmaschinen und redaktionell bearbeiteten Suchergebnissen. Seit man an Google nicht mehr vorbei kommt, ist eine politische Zensur umso schlimmer, denn man hat keine Wahl mehr. Die Aufgabe einer Suchmaschine sollte sein, alle Ergebnisse einer Suchanfrage auszugeben. Nicht mehr und nicht weniger. Selbstverständlich kann man die für bestimmte Länder stattfindende Zensur von Google noch umgehen, wenn man sich ein bisschen mit Netzwerken auskennt. Das macht politisch motivierte Zensur aber nicht besser.

Was den „Welt“-Artikel angeht, auf dem ich zu Beginn dieses Artikels hingewiesen habe, so habe ich eben bei einer Google-Suchanfrage auch weiterhin die entsprechenden Seiten gelistet bekommen. Was allerdings passiert, ist die Tatsache, dass Werbung von Google und auch anderen Werbevermarktern auf politisch unliebsamen Seiten nicht mehr angezeigt wird. In der heutigen Zeit ist das auch eine Form von Zensur, wenn man politisch Andersdenkenden die finanzielle Grundlage entzieht. In einer Demokratie sollte jeder Mensch das Recht haben, sich ungefiltert und unzensiert zu informieren um sich dann selbst eine Meinung zu bilden. Davon entfernen wir uns allerdings in Riesenschritten immer weiter weg.



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