Der Kräutergarten der Nazis

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Am Tag des offenen Denkmals, der seit 1993 immer am zweiten Sonntag im September stattfindet, gab es dieses Jahr von der Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Dachauer Zeitgeschichte e.V. eine Führung durch den sogenannten „Kräutergarten“.

Der Kräutergarten samt Labor wurde von den Nazis angelegt, um eine ganzheitliche Naturheilkunde im Dienste der „Volksmedizin“ zu erforschen. Er war gedacht als Gegenbewegung zur traditionellen naturwissenschaftlichen Forschung. Die treibende Kraft war der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler. Er wollte, dass die Deutschen „allmählich auf eine Verpflegung ähnlich der römischen Soldatenverpflegung oder der Verpflegung der ägyptischen Sklaven“ kämen, die alle Vitamine enthalten sollte und kostengünstig herzustellen sei.

Der sogenannte Kräutergarten war, neben anderen Zweigstellen in Deutschland, Kernstück und Vorzeigebetrieb der „Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“ (DVA), einem der fünf großen SS-Wirtschaftsunternehmen. Er sollte sich mit dem Anbau, Vertrieb und der Erforschung von Heil- und Gewürzkräutern befassen. Langfristig wollte man unabhängig von Kräutern und Medikamenten aus dem Ausland werden.

Da Pfeffer in Deutschland nicht wächst, erfand man im Kräutergarten ein Kräutergemisch, welches als Pfeffer-Ersatz dienen sollte: den Prittlbacher Pfeffer, auch Deutscher Pfeffer genannt. Er enthielt unter anderem Thymian, Bohnenkraut sowie Basilikum.

Dass der Dachauer Kräutergarten in räumlicher Nähe zum dortigen KZ installiert wurde, war kein Zufall. Die ganzheitliche Naturkunde benötigt weit mehr Arbeitskräfte als konventioneller Anbau und durch das KZ hatte Himmler tausende von Arbeitskräften, die so gut wie nichts kosteten.

Da die Nazis glaubten, die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg sei hauptsächlich durch mangelndes Vitamin C bei den Soldaten begründet gewesen, wurden in Dachau Gladiolen, Ringelblumen und Primeln angepflanzt, die einen hohen Vitamin-C-Gehalt haben. Die Pflanzen wurden zu Pulver verarbeitet und zu den Soldaten an die Front geschickt.

Heute stehen noch ein paar Häuser und die Reste einiger Gewächshäuser. Die Häuser werden derzeit an sozial bedürftige Menschen vermietet, da die Häuser aus Denkmalschutzgründen nicht abgerissen werden dürfen.

Die Führung war ein spannendes Erlebnis und hat viel Wissen über die jüngere Vergangenheit Dachaus vermittelt.


Karte zum Dachauer Kräutergarten

Bilder vom Dachauer Kräutergarten
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