Google Street View: Gehört die Verpixelung bald der Vergangenheit an?

Voraussichtliche Lesedauer des Artikels: 2 Minuten

Als im November 2010 Google Street View online ging, gab es eine deutsche Besonderheit, die bis heute anhält: Bewohner oder Besitzer eines Hauses konnten einfordern, dass ihr Haus verpixelt, also unkenntlich gemacht wurde. Das hatten die damals für Google Deutschland zuständigen Hamburger Datenschützer verfügt.

Knapp 250.000 Mal wurde in Deutschland von diesem Recht Gebrauch gemacht. Das sorgte dafür, dass die „Zeit“ damals höhnisch titelte: „Pixel-Tristesse in Blurmany“. Auch die Parteizentrale der Grünen in der Berlin, Am Platz vor dem Neuen Tor 1, wurde verpixelt – und ist es bis heute (siehe Bild).

Außerhalb Deutschlands sorgte die Verpixelung größtenteils für Unverständnis. Der amerikanische Netzaktivist Jeff Jarvis meinte dazu: „Deutschland, was hast du getan? Du hast deine Städte entweiht.“ Befürworter und Gegner des Verpixelns lieferten sich heiße Shitstorms. War ein Haus einmal verpixelt, konnte Google nach eigenen Angaben das Haus nicht wieder „entpixeln“. Ein Google-Sprecher sagte, die entsprechenden Rohdaten seien nicht mehr vorhanden.

Es gab damals allerdings eine Möglichkeit, die Verpixelung zumindest teilweise zu umgehen. Über den damals zu Google gehörenden und mittlerweile eingestellten Dienst Panoramio konnte man Bilder zu einer Adresse hochladen, die dann in Street View eingefügt wurden.

Da die Street-View Bilder etwa zehn Jahre alt sind, wird es Zeit für neue Bilder. Und mit den neuen Bildern könnten auch die verpixelten Bilder in Deutschland der Vergangenheit angehören. Das berichtete Inside-Digital. Google habe, so das Online-Portal, bei den damals zuständigen Hamburger Datenschützern angefragt, ob eine Veröffentlichung von Bildern ohne einen Vorab-Widerspruch möglich sei.

Im November 2019 kommt das Thema auf den Tisch des Europäischen Datenschutzausschusses. Dabei sollen EU-weit einheitliche Regeln für Dienste wie Google Street View erarbeitet werden. Da die Verpixelung einen deutschen Sonderweg darstellt, der weltweit einzigartig ist, besteht eine hohe Chance, dass die Verpixelung deutscher Häuser bald der Vergangenheit angehört. Für ein Ende der deutschen Verpixelung spricht auch, dass die Hamburger Datenschützer mittlerweile wohl nicht mehr zuständig sind, sondern Datenschützer aus Irland. Dass diese den deutschen Sonderweg befürworten, dürfte so gut wie ausgeschlossen sein.

Als wir vor einiger Zeit einen Urlaub in Großbritannien planten, haben wir uns auf Google Street View Hotels und deren Umgebung angesehen und haben die Umgebung in unsere Entscheidung mit einfließen lassen, welche Hotels wir gebucht haben. Insofern hätte ein Ende des deutschen Sonderwegs der Verpixelung und natürlich eine Erneuerung der zehn Jahre alten Bilder durchaus seine Vorteile.

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