Facebook lässt unangenehmen Bericht einfach verschwinden

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Erst kürzlich lobte Guy Rosen, Facebooks Vizepräsident für Integrität, das Unternehmen als „transparenteste Plattform im Internet“. Dass es mit dieser Transparenz nicht weit her ist, hat jetzt die New York Times aufgedeckt.

Facebook untersucht gerne, welches die am meisten abgerufenen Artikel des Netzwerkes sind. Normalerweise sind in diesen Listen irgendwelche Kochrezepte oder putzige Tierbildchen ziemlich weit oben. Also Artikel, die von den Facebook-Zensoren am liebsten gesehen werden. Doch im ersten Quartal des Jahres 2021 gab es für die Offiziellen von Facebook offenbar einen Schock. Sie befürchteten, wenn sie den Quartalsbericht veröffentlichen würden, könnte das ein schlechtes Licht auf das Image des Konzerns werfen. Eine entsprechende E-Mail soll von den Führungskräften versendet worden sein und liegt nach eigenen Angaben der New York Times vor.

In diesem Quartalsbericht, der ebenfalls der New York Times vorliegt, war der meistgelesene Link nicht ein putziges Katzenbaby oder ein liebliches braunäugiges Rehkitz und auch kein Kochrezept, sondern die Facebookuser klickten am häufigsten auf einen Nachrichtenartikel, dessen Schlagzeile behauptete, dass ein Arzt aus Florida aufgrund einer Corona-Impfung gestorben sei. Fast 54 Millionen Benutzer hatten den Artikel angeklickt und einige von ihnen stellten in ihren Kommentaren zu dieser Meldung die Frage, ob der Covid-19-Impfstoff überhaupt sicher sei. Monate nach dem Tod des Arztes sagte ein Gerichtsmediziner, es gäbe nicht genug Beweise um behaupten zu können, dass die Todesursache des Arztes die Impfung war.

Einige Führungskräfte von Facebook fürchteten nun einen massiven Shitstorm, wenn bekannt werden würde, dass nicht süße Katzenbilder, sondern der Bericht vom Tod des Arztes am meisten gelesen wurde. Gegenüber der New York Times behauptete Facebook-Sprecher Andy Stone, man wollte den Quartalsbericht zwar veröffentlichen, aber man dachte, es sei sinnvoller, ihn erst etwas später zu veröffentlichen. Dieses „später“ war dann kurz nachdem bei der New York Times über das Verschwinden des Berichtes ein Artikel erschien.

Vor etwa einem Monat hatte US-Präsident Biden Facebook vorgeworfen, das Netzwerk würde „Menschen töten“, weil im Netzwerk „falsche Informationen zum Corona-Virus“ verbreitet werden würden. Biden schwächte diese Aussage später etwas ab. Facebook wollte sich diesen Vorwurf nicht gefallen lassen und warf seinerseits Biden vor, er mache deshalb das Netzwerk zum Sündenbock, weil die Regierung ihre Impfziele verfehlt habe. Sogar der Boss von Facebook, Mark Zuckerberg griff in den Streit ein und behauptete, sein Unternehmen würde Falschinformationen zu Corona „aggressiv entfernen“. Wenn nun ein Artikel, dem vorgeworfen wird, er könnte Falschinformationen zu Corona enthalten, der meistgelesene Artikel ist, gab es für die Verantwortlichen von Facebook offensichtlich nur eines: Den Quartalsbericht zurückzuhalten.

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